Spelle/Dinklage - Wenn mehr als 400 Besucher interessiert den Vorträgen lauschen und die Zuhörer mit frischen Ideen und neuem Wissen zufrieden nach Hause fahren, dann war es wieder Zeit für „Fokus Schwein“. Es war bereits die achte Veranstaltung der Bröring-Unternehmensgruppe aus Dinklage und Boehringer Ingelheim Vetmedica. Getagt wurde in Spelle.

Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sagte, dass sich das russische Importverbot aufgrund der Ukrainekrise auf die heimische Wirtschaft und speziell auf die deutsche Fleischbranche verheerend auswirke. „Auf dem Schweinefleischmarkt ist derzeit für viele Betriebe keine kostendeckende Produktion möglich.“ 2015 könnte sich das Blatt wenden, wenn die Märkte in Asien ausgebaut und aufgrund der weltweit guten Ernten die Futtermittel günstiger würden.

Rechtsanwalt Holger Schwennen gab Einblicke in das aktuelle Baugesetzbuch. „Wer heute noch betrieblich am Standort wachsen will, muss dies sorgfältig durchplanen: den neuen Stall dezentral zur Hofstelle anordnen, Hecke oder Zaun sowie eigene Zufahrt schaffen und eine GbR oder ähnliches gründen sind einige solcher Maßnahmen.“ Anfänglich gemachte Fehler seien später nur schwer auszubügeln.

Hendrik Bröring, Sauenhalter aus Uptloh, gab einen Einblick in das Management seiner Ferkelaufzucht. Neben 400 Sauen und Mastschweinen im geschlossenen System bewirtschaftet er noch 55 000 Hähnchenmastplätze. Aufgrund seines ausgefeilten Fruchtbarkeitsmanagements erzielt er 33,9 abgesetzte Ferkel pro Sau und Jahr. Um die Sau beim Säugen zu unterstützen, nutzt er seit 2010 das CulinaCupLine-System. „Mit dieser praktischen Beifütterung konnte ich die Anzahl abgesetzter Ferkel je Sau deutlich steigern.“

Dass der Weg zu mehr Tierschutz und Nachhaltigkeit in der Nutztierhaltung unumkehrbar ist, erklärte Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des LAVES. „Die Haltungsbedingungen sollten ab jetzt den Tieren angepasst werden und nicht umgekehrt. Doch dann muss der Verbraucher auch mehr für Tierschutz zahlen, nur dann ist ein fairer Erlös für die Erzeuger möglich.“


In amüsanter Weise erfuhren die Zuhörer vom Wissenschaftsjournalist Dr. Alexander Grau mehr über die Gründe für die steigende Anzahl Vegetarier. „Vegetarismus ist eine Ernährungsmode, und Mode ist nicht rational, sie hat mit dem Bedürfnis nach Abgrenzung und Prestige zu tun. Er hat selten moralische Motive.“ Selbst eine perfekte Marketingkampagne für Fleisch würde diesen Trend nicht umkehren. Trotzdem riet er, den Vegetarismus nicht überzubewerten, denn es würden sicher nie alle Menschen auf Fleisch verzichten.