Oldenburg - Wenn Prof. Thomas Straubhaar über die Region Weser-Ems und Bremen spricht, gerät er fast schon ins Schwärmen. „Die Region ist fantastisch aufgestellt und besitzt unglaubliches Potenzial“, meinte der Direktor und Sprecher der Geschäftsführung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI) am Mittwoch in Oldenburg bei der Vorstellung einer Studie zu den Wachstumspotenzialen im Nordwesten.
Die Studie, initiiert von der Oldenburgischen Landesbank (OLB) und angefertigt von der Bremer Niederlassung des HWWI, kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass sich die Region Weser-Ems in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt hat. So sei die Bevölkerung in der Region zwischen 1996 und 2009 um 4,7 Prozent gewachsen, bundesweit blieb sie unverändert. Die Zahl der Erwerbstätigen sei im gleichen Zeitraum um 16,9 Prozent gestiegen (Deutschland: 7,4 Prozent), und das regionale Wirtschaftswachstum lag bei 31,1 Prozent (Deutschland: 27,8 Prozent).
Und die Vorzeichen stehen laut HWWI gut, dass die überdurchschnittliche Entwicklung auch in den nächsten Jahren anhalten werde. Die ermittelten Simulationen für die Zeit bis 2030 ließen sowohl im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit als auch auf die Bruttowertschöpfung eine Entwicklung erwarten, die über dem Bundesschnitt liege.
„Wir sind überzeugt davon, dass die Megatrends, die sich weltweit abspielen, die Region Weser-Ems nicht schwächen sondern stärken werden“, meinte Straubhaar. Er verwies etwa darauf, dass der Nordwesten bei globalen Schlüsselthemen, wie Agrar- und Ernährungswirtschaft und Erneuerbaren Energien sehr gut aufgestellt sei.
Auffällig sei, so Straubhaar, dass der klassische Mittelstand und auch das Handwerk in der Region im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich stark ausgeprägt seien, was die Region weniger krisenanfällig mache.
Ebenfalls bemerkenswert: In Weser-Ems gebe es einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Schulabgängern mit mittler und höherer Reife, der Anteil der Beschäftigten mit (Fach-)Hochschulabschluss an der Gesamtzahl liege trotz Aufholprozessen mit 6,9 Prozent aber immer noch klar unter dem Bundesschnitt (10,6 Prozent). Für die weitere Entwicklung sei es deshalb wichtig, möglichst viele Hochqualifizierte in der Region zu halten, beziehungsweise – auch über regionales Standortmarketing – gut ausgebildete Kräfte von den Stärken der Region zu überzeugen.
„Die Studie zeigt eine Menge Gutes, sie zeigt aber auch, dass wir noch ein paar Dinge anpacken können“, meinte Dr. Achim Kassow, Vorstandsvorsitzender der OLB. Aus seiner Sicht müsse es vor allem darum gehen, „die Stärken weiterzuentwickeln“. Dazu gehöre etwa, die Wettbewerbsfähigkeit der Agrar- und Ernährungswirtschaft weiter auszubauen und den Bereich erneuerbare Energien zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Zudem müsse die Wissensintensität in Mittelstand und Handwerk vertieft werden, eine zeitgemäße und bedarfsgerechte Infrastruktur sichergestellt und den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnet werden, betonte Kassow.
