Nordenham - Wenn es darum geht, wie hoch der Anteil der Betriebe ist, die der Bindung an Tarifverträgen unterworfen sind, dann liegt der Landkreis Wesermarsch in Deutschland ganz vorn. Das gilt für Betriebe, deren Arbeitnehmer von der IG Metall vertreten werden. Bundesweit liegt ihr Anteil im Durchschnitt bei 50 Prozent, im Landkreis Wesermarsch sind dagegen stolze mehr als 90 Prozent tarifgebunden.
Engagierte Arbeit
Das sei ein großer Erfolg engagierter Arbeit der IG Metall in der Wesermarsch. Darauf hat Jörg Hofmann (60), seit einem Jahr Vorsitzender der Industriegewerkschaft Metall, Donnerstagabend vor rund 200 Zuhörern in der Stadthalle Friedeburg hingewiesen. Der IG Metall-Chef sprach anerkennend von „fast paradiesischen Zuständen hier in der Wesermarsch“.
Arbeitnehmer in Betrieben in Deutschland ohne Tarifbindung bezögen durchschnittlich 24 Prozent weniger Gehalt, müssten vier Stunden mehr pro Woche arbeiten und bekämen sechs Tage weniger Jahresurlaub, so Jörg Hofmann. Daher müsse alles getan werden für eine bundesweite Trendwende in der Tarifbindung. Das sei für die IG Metall ein zentrales Thema.
Diese Industriegewerkschaft vertritt Arbeitnehmer in den Brachen Metall/Elek-tro, Stahl, Textil/Bekleidung, Holz/Kunststoff und Informations- und Kommunikationstechnologie. Die IG Metall ist mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft Deutschlands und die größte Arbeitnehmervertretung weltweit.
Sie feiert bundesweit in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hatte die IG Metall Wesermarsch zu einer Jubiläumsfeier eingeladen. Bundesvorsitzender Jörg Hofmann hielt Donnerstagabend die Festrede in der Friedeburg .
In der Wesermarsch ist die IG Metall seit 107 Jahren vertreten. Im Jahr 1909 ist in Nordenham eine erste eigene Zahlstelle eröffnet worden. Die Zahl der Mitglieder im Landkreis Wesermarsch ist stetig gewachsen – in den vergangenen elf Jahren sogar in jedem Jahr deutlich, auf jetzt 6229 Mitglieder
Zur Jubiläumsfeier ist erstmals eine Wanderausstellung zur Gewerkschaftsgeschichte mit mobilen Schautafeln präsentiert worden.
Sie zeige auch die bereits erreichten großen Erfolge gewerkschaftlicher Arbeit, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter Küste der IG Metall. Daraus könne Kraft geschöpft werden für die künftige Arbeit.
Verankert und vernetzt
Die IG Metall habe in der Wesermarsch eine so hohe Tarifbindung erreicht, weil sie hier fest verankert und gut vernetzt sei. Meinhard Geiken appellierte: „Wir müssen uns aber weiter dafür einsetzen, dass das so bleibt. Denn nichts, aber auch gar nichts ist in Stein gemeißelt. Arbeitgeber wollen so weit wie möglich Betriebe ohne Bindung an Tarifverträge.“
Martin Schindler, Geschäftsführer der IG Metall Wesermarsch, begrüßte Donnerstagabend zur Jubiläumsfeier unter anderem einige Bürgermeister aus der Wesermarsch, Vize-Landrätin Heidi Brunßen, die Landtagsabgeordneten Karin Logemann (SPD) und Björn Thümler (CDU und Mitglied der IG Metall), den Vizepräsidenten der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Franz Thole, sowie den DGB-Kreisvorsitzenden Mustafa Dogan.
