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Zum Duell, Herr de Vries!

27.10.2016

Sein Berufsleben ist rastlos: Heiko de Vries pendelt zwischen Oldenburg, Frankfurt und Zürich, mit der Loys AG verwaltet er mehr als eine Milliarde Euro. Aber was ist er
privat für ein Typ? Um das herauszufinden, haben wir ihn im Tennis herausgefordert.

Von Karsten Röhr

Es ist eine würdige Kulisse für große Duelle: Platz zwei, der Center-Court des Oldenburger Tennisvereins am Johann-Justus-Weg. Im Sommer sind hier die Cracks aus der Zweiten Bundesliga aufgelaufen, auf den Rängen hat das Pu-blikum ihre Ballwechsel begeistert verfolgt.

Heute sind die Tribünen leer bis auf einen großen Elch aus Plastik, den irgendwer hier aufgestellt hat. Aber die äußeren Bedingungen an diesem strahlenden Herbstmorgen stimmen. Und zumindest mein Gegner bringt auch das richtige Format mit, schon körperlich. Heiko de Vries ist ein Riese von zwei Metern, ein Kondor des Tennisspiels, an dem es rechts und links kein Vorbei gibt.

Ich kenne ihn schon. Ich war mal Ersatz in seiner damaligen Verbandsligamannschaft. Heute spielt er Regionalliga in der Ü40. Für mich ist es in dieser Saison das erste Mal, dass ich auf der roten Asche stehe. Was soll dabei herauskommen?

Heiko de Vries, Dr. Heiko de Vries, so viel Zeit muss sein, ist Gründer der Oldenburger Vermögensverwaltung Loys AG, die die gewaltige Summe von 1,1 Milliarden Euro verwaltet. Und er ist die Ruhe selbst. Dass sich der Manager auf dem Platz mal aufregt, hat wahrscheinlich noch keiner erlebt. Auch nicht neben dem Court. Er strahlt Gleichmut und Freundlichkeit aus, in jeder Lage.

Sein Spielstil ist allerdings ein bisschen ungewöhnlich. Die Gegner arbeiten sich mit Kanonenschlägen an ihm ab, und er lässt jeden Ball mit seinen überlangen Armen einfach wieder ins gegnerische Feld zurücktropfen. Er hat Gefühl, Auge und ist schneller als gedacht auf seinen langen Beinen. Beim Einspielen sieht alles noch ganz gut aus. Johannes, der Fotograf, findet uns sogar deutlich besser, als er es erwartet hatte (unverschämt!), und spendet freundlich Beifall.

Mit seinen überlangen Armen lässt er die Bälle einfach zurücktropfen. Dazu ist er unerwartet schnell auf den Beinen

Doch, wie es so ist: Mit Ehrgeiz und Lust am Wettbewerb liegt man beim Tennis zwar absolut richtig – aber ohne Routine ist man verloren. Also bin ich verloren. De Vries spielt, wie seine Fondsgesellschaft anlegt: konservativ, klug und erfolgreich. Ich mache zu viele unerzwungene Fehler, er nicht. Mein Aufschlag wackelt, seiner nicht.

Spiel um Spiel geht flöten, manche knapp, eins gewinne ich. Am Ende schlägt er mich 6:1, freundlich, aber bestimmt. So deutlich hatte es sich für mich nicht angefühlt. Ging einfach zu schnell. Die Details kennen nur der Elch und der Fotograf, aber beide wurden zum Schweigen verdonnert.

Er ist nett, lobt meinen Fitnesszustand und sieht eine Menge Potenzial – ein bisschen mehr Spielroutine, und schon liefe das. Dafür spendiere ich ein alkoholfreies Weizen in einer gemütlichen Heckenecke der Tennisgastronomie. Die Herbstsonne ist warm, nur die letzten Wespen nerven.

Wie gibt sich einer, der schon mehr als eine Milliarde Euro eingesammelt hat mit den 18 Mitarbeitern seiner Loys AG? Am Auto kann man’s nicht erkennen. Phaeton statt Porsche. Ein wenig überraschend. Man kann auch sagen: Es regiert die Vernunft. De Vries hat – unter anderem beim renommierten Klimaforscher John Schellnhuber – am ICBM in Oldenburg Theoretische Physik studiert, Promotion 1996. Er interessiert sich für Philosophie, die Grenzen der Wissenschaft, für Spiritualität genauso wie für Geldtheorie.

Er ist kein Protzer, sondern nüchterner Stratege, der die ganze Woche zwischen Frankfurt, Zürich und Luxemburg pendelt und dabei seine heimischen Wurzeln pflegt. De Vries sagt: „Ich bin ein Oldenburger Gewächs. Das ist auch der Grund, warum die Loys AG immer noch hier ist und nicht in Frankfurt.“

Der 49-Jährige ist als Kind und Jugendlicher begeistert in die „Hölle des Nordens“ gepilgert, das legendäre Stadion des VfB in Donnerschwee. Er war selbst ein guter Fußballer und hat dann den Weg zum Tennis gefunden.

Die Loys AG ist eine hochspezialisierte Investmentboutique mit fünf eigenen Fonds. Sie setzt mit ihrer wertorientierten Anlagestrategie ausschließlich auf Aktien. „Wir kaufen gern die langweiligen Unternehmen“, sagt der Phaeton-Fahrer, „mit einem hohen Anteil an deutschen und europäischen Unternehmen“, bekannte und weniger bekannte. Die Deutsche Post ist darunter, die südhessische Bechtle AG (IT), Wacker Neuson aus München, die österreichische Mayr-Melnhof Karton AG, auch BP.

Aus Sicht des Vorstands müssten die Deutschen sich wie Briten oder Amerikaner dieser „liquiden Form der Unternehmensbeteiligung“ noch viel stärker zuwenden: „Die Bevölkerung ist viel zu wenig an ihrer eigenen Wirtschaft beteiligt.“ Dabei denkt de Vries auch an das Tafelsilber des Landes. Fast zwei Drittel der Anteile großer deutscher Aktiengesellschaften sind mittlerweile im Besitz ausländischer Eigentümer. Diese hätten das Potenzial unserer Unternehmen viel stärker im Blick: „Es ist ein Drama. Der Großteil des Eigentums an den deutschen Unternehmen liegt heute im Ausland“, sagt de Vries. „Das heißt auch: Die Gewinne fließen dahin ab.“

Dass die wichtigen Notenbanken der Welt „die Zinsen auf die Nulllinie bugsiert haben“, hat, sagt Vorstandskollege Christoph Bruns, der fürs Fondsmanagement der Loys AG in Chicago sitzt, „hat tradierte Sparformen wie die klassischen Kapitallebensversicherungen, Bausparverträge, Sparverträge, Geldmarktfonds etc. obsolet gemacht“. Das Sparverhalten habe sich erstaunlicherweise zumindest in Deutschland bisher trotzdem kaum verändert. Eine Verbesserung der Zinslage sei aber nicht in Sicht. Der „hoheitlich herbeigeführte Ausnahmemodus“, sagt Bruns, sei durch die „mittlerweile an Entlastung durch die Notenbanken gewöhnten Staatshaushalte nicht ohne drastische Sparanstrengungen zu schultern“. Auf dieses Feld begebe sich die Politik aber nicht.

Insofern ist „ein Umsteuern auf dem Gebiet der privaten Altersvorsorge unerlässlich“, sagt Heiko de Vries. „Vonnöten wäre eine Abkehr von der traditionellen Zinsobsession und eine Hinwendung der Vermögensbildung zu den Wertschöpfungsgeneratoren der Volkswirtschaft.“

Wie wird man Anlagemilliardär? Es hilft jedenfalls, schon als Kind Aktien zu halten. Im Fall de Vries: BASF und VW

Für ihn ist klar, dass „der Wohlstand unseres Landes in allererster Linie auf der Leistung seiner Unternehmen beruht, und dass man sich an dieser Leistung beteiligen sollte“. Das „bewusste Investieren der Spargelder in die Wirtschaft, und zwar am besten international“, ist seine Empfehlung auch an die privaten Anleger und Sparer. Diese Mentalität, sich über die Börsen an den einzigen Wohlstandsgeneratoren, den Unternehmen, zu beteiligen, müsse aber gerade in Deutschland noch wachsen.

Vielleicht hat sich die Loys AG auch deshalb auf institutionelle Anleger spezialisiert. „Unsere Kunden sind Banken, freie Berater, Vermögensverwalter, Pensionskassen und Family-Offices.“ Aber dahinter stehen ja letztlich immer Einzelne, die ihr Geld exakt so investieren wollen. Heiko de Vries hat selbst so begonnen. Aktien sind für ihn eine Art frühkindliche Prägung, genauso wie die Lust am unternehmerischen Handeln. „Meine Eltern haben uns Kindern früh ein Depot angelegt. Mein Vater war Geschäftsführer bei der Büfa, also waren neben Aktien von VW natürlich Aktien der Badischen Anilin- und Sodafabrik (BASF) darunter. Das waren vererbte Anteile, die noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammten. Ich habe gesehen, dass sie große Krisen überleben. Auch in schwierigen Zeiten habe ich lieber Anteile an Unternehmen als Nominalwerte. Gute Unternehmen sind ein sicherer Hafen. Außerdem waren es die 90er-Jahre: Da ging was mit Aktien.“

De Vries sah die Chancen. Zumal Stellen an der Uni dünn gesät waren. „Natürlich war es trotzdem ein Wagnis. Ich hatte schon drei Kinder. Aber die waren auch eine große Motivation, Geld zu verdienen. Und ich habe gesehen, dass in der Finanzbranche Geld verdient wird. Wenn man etwas pfiffiger unterwegs ist, kann man eine Nasenlänge voraus sein.“ Weil er genau das ist und seit vielen Jahren beweist, wächst das anvertraute Vermögen stetig.

Loys versucht, Unternehmen für weniger Geld zu kaufen, als sie wert sind. Im Prinzip ist es nur Rechnen, meint de Vries

Dabei gründet der Erfolg auf vielen Schultern. De Vries ist in erster Linie „stolz darauf, dass ich mit Dr. Bruns, Frank Trzewik und Ufuk Boydak sehr gute Leute in den Vorstand holen konnte. Drei der vier Vorstände sind 49 Jahre alt, Boydak sogar erst 30. Da geht noch was.“ Die Loys-Fondsmanager wurden vor wenigen Tagen erst wieder für ihre „herausragenden Erfolge“ von Sauren Fonds-Research vierfach ausgezeichnet – zwei Goldmedaillen für Ufuk Boydak in den Kategorien „Aktien Global“ und „Aktien Europa“ und zwei für Dr. Christoph Bruns in der Kategorie „Aktien Global (flexibel)“.

Ihr Geschäftsmodell ist nicht neu: „Wir versuchen, Unternehmen für weniger zu kaufen, als sie wert sind. Eigentlich ist das nur Rechnen“, sagt Heiko de Vries. „Darin sind wir allerdings besonders stark – auch dank unseres Analysemodells, in dem wir 3000 Unternehmen modelliert haben. Die Unternehmen, die wir im Portfolio haben, kennen wir dadurch extrem gut.“ Koordinaten sind Kapitalströme, voraussichtliche künftige Gewinne, die klassische Unternehmensbewertung. Die Devise stammt von Warren Buffett: „Der einzige Weg, langfristig Kapital aufzubauen ist, gezielt Unterbewertungen zu finden und die am Markt zu nutzen.“ Letztlich gelte das ja „genauso für jeden privaten Einkauf oder auch für Immobilien – gut, bei Immobilien ist es gerade schwierig, Unterbewertungen zu finden“, lacht de Vries.

Bei mir ist es da schon leichter: Mit 6:1 bin ich hier ganz klar unterbewertet worden.

Loys-Gründer Heiko de Vries (weißes Hemd) tritt bei strahlendem Herbstwetter auf dem Center-Court des OTeV gegen NWZ-Redakteur Karsten Röhr an. Der Manager spielt in der Ü40-Regionalliga-Mannschaft des Vereins.

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