Brake - Nach dem Morgenkaffee informiert sich Käthe Ritter erstmal über das Weltgeschehen in der Tageszeitung. „Das ist Pflicht“, betont die Brakerin, die am Dienstag ihren 100. Geburtstag gefeiert hat. Zwar habe die Sehkraft der Augen inzwischen etwas nachgelassen, aber mit der Lupe könne sie noch alles lesen. Zum Zeitungslesen ist sie an ihrem Ehrentag allerdings nicht gekommen, dafür waren zu viele Gäste da. Für Rat und Verwaltung der Stadt Brake überreichte Bürgermeisterin Ursula Schinski (SPD) eine Urkunde, Blumen und eine Schlemmerkiste.
Vor allem aber waren Verwandte aus Amerika nach Brake gekommen. Neben ihrer Tochter Karin (72) und deren Mann Joe Franchino war auch deren Tochter Kim angereist. Außerdem kamen Verwandte und Bekannte aus Luckenwalde, Höxter und Düsseldorf. Und natürlich Käthe Ritters Sohn Eckhardt (67), der lange Jahre als Lehrer an den Berufsbildenden Schulen in Brake unterrichtet hat und immer noch Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn im Oldenburger Land ist, sowie dessen Sohn Richard.
Kein Wunder also, dass an diesem Vormittag in der dem Seniorenwohnheim Sandvoß angeschlossenen eigenen Wohnung viele Erinnerungen ausgetauscht wurden. Käthe Ritter etwa erzählte, dass sie einmal auf dem Weg zu ihrer Tochter unfreiwillig in Frankfurt in einem Hotel übernachten musste, weil das Flugzeug erst einen Tag später startete. „Seitdem hatte ich immer ein Nachthemd dabei.“
Inzwischen fliegt sie nicht mehr; dafür kommt Tochter Karin regelmäßig nach Brake – und im Sommer wollen sie Enkel und Urenkel aus Amerika besuchen.
Käthe Ritter stammt gebürtig aus Kranichfeld in Thüringen. Die Eltern hatten eine Bäckerei. In Erfurt wurde sie in der Haushaltsschule ausgebildet und arbeitete später als Haushaltshilfe in mehreren Familien. 1942 heiratete sie; ihr Mann verstarb allerdings bereits 1957. Als alleinerziehende Mutter zweier Kinder lebte Käthe Ritter dann in Kassel und arbeitete unter anderem in der Kantine eines großen Werkes. Nach einem Oberschenkelhalsbruch im Jahr 2002 holte sie der Sohn nach Brake. Zwar habe sie als Stadtmensch Brake zunächst für „zu klein“ gehalten, inzwischen habe sie sich aber gut eingelebt. Zumal die Familie engen Kontakt hält.
„Ich habe immer einfach gelebt, habe mich aber nie unterkriegen lassen“, blickt die Jubilarin auf ihr langes Leben zurück. Aber lieber schaut sie nach vorn: Denn die Fußballbegeisterte freut sich schon auf die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Brasilien.
