Hannover - Mit einem milliardenschweren Zehn-Punkte-Plan will die Bundesregierung einen Rückstand Deutschlands beim digitalen Wandel verhindern. Zur Strategie von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gehören ein Fokus auf Glasfaser-Leitungen und der Aufbau einer Digitalagentur als Schaltzentrale.

Die „Digitale Strategie 2025“ stellte Gabriel zur Eröffnung der weltgrößte IT-Messe Cebit in Hannover am Montagabend vor. „Die erfolgreiche digitale Transformation unserer Volkswirtschaft ist die Voraussetzung für den Erhalt und die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit“, erklärte der Vize-Kanzler. „Unser Ziel ist es, Deutschland zum modernsten Industriestandort zu machen.“

Der Industrieverband BDI warnte vor einem wirtschaftlichen Rückstand Deutschlands aufgrund des „dramatisch stockenden“ Ausbaus digitaler Netze. Es sei „Gefahr im Verzug“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Unser Land ist von einer hochleistungsfähigen digitalen Infrastruktur weit entfernt.“

Auch aus Sicht des Wirtschaftsministeriums darf es nicht bei dem Ziel bleiben, Internet-Anschlüsse auf eine Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde auszubauen. Bis zum Jahr 2025 müsse ein Gigabit-Glasfasernetz stehen, geht aus dem Strategiepapier hervor.

Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 11 Megabit pro Sekunde surfe man in Deutschland gerade einmal halb so schnell wie in Südkorea, kritisierte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. „Deutschlands digitale Zukunft wird nicht auf dem Kupferdraht entschieden, sondern mit der gigabitschnellen Glasfaser.“


Die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur bis 2025 werden auf 100 Milliarden Euro beziffert. Diese sollten aus Sicht des Ministeriums vor allem von privaten Investoren kommen. Vorgeschlagen wird aber auch ein Investitionsfonds für Netze im ländlichen Raum. Mit seinem Volumen von rund 10 Milliarden Euro sollen weitere Investitionen ausgelöst werden.

Die Digitalisierung löst derweil erste Umwälzungen in der deutschen Wirtschaft aus. Vier von zehn Unternehmen brachten im Zuge des Wandels neue Produkte oder Dienste auf den Markt, erklärte der Branchenverband Bitkom. Zugleich musste aber auch jede achte Firma deswegen Angebote vom Markt nehmen. Europa stehe erst am Anfang juristischer Debatten, die sich aus dem digitalen Wandel ergäben, betonte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger in Hannover.