Oldenburg - Von der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt ist auch der Arbeitsmarkt im Nordwesten spürbar betroffen. Wie die Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven am Mittwoch mit Verweis auf eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtete, haben 13,3 Prozent der Beschäftigten im Agenturbezirk eine Arbeit, die schon heute zu 70 und mehr Prozent von computergestützten Maschinen ausgeführt werden könnte. In Niedersachsen liege der Anteil bei 15,2 Prozent.

Wie Dr. Thorsten Müller, Leiter der Arbeitsagentur, erläuterte, ist der Anteil der Tätigkeiten, die in einem Beruf durch Maschinen übernommen werden können, sehr unterschiedlich. „Stark auf Routinen basierende Tätigkeiten gelten als leichter von Computern ersetzbar als etwa kreative Tätigkeiten“, sagte er.

Bei der Frage, wie stark eine Region von der Digitalisierung betroffen sein könnte, spiele deshalb die Branchenstruktur eine wichtige Rolle. Während fertigungstechnische Berufe besonders stark betroffen seien, falle der Wert im Medizin- und Pflegebereich deutlich niedriger aus.

Im Oldenburger Land macht sich der Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt laut IAB besonders stark in der Wesermarsch mit ihrem hohen Anteil an produzierenden Unternehmen und dem Kreis Vechta mit ihren vielen Betrieben aus der Ernährungswirtschaft bemerkbar. In der Wesermarsch arbeiten demnach 23,1 Prozent der Beschäftigten in Tätigkeiten, die überwiegend von Computern ausgeführt werden können, sofern die entsprechende Technik tatsächlich eingesetzt und in vollem Umgang genutzt wird. Im Kreis Vechta, der nicht zum Agenturbezirk Oldenburg-Wilhelmshaven gehört, liegt der Anteil bei 23,9 Prozent.

Den niedrigsten Wert in der Region verzeichnet die Stadt Oldenburg mit 9,9 Prozent. Die Industrie spiele hier eine geringere Rolle, Medizin- und Pflegeberufe sowie eher kreative Berufe eine größere.


Müller betonte, dass Digitalisierung vor allem Veränderung bedeute und sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmern zusätzliche Chancen bieten würde: „Viele Beschäftigte werden von Routineaufgaben entlastet und übernehmen stattdessen andere, oftmals höherwertige Aufgaben.“ Auch die Befürchtung, dass die „Arbeit 4.0“ zu einem Jobabbau führen werde, teilt er nicht: „Die meisten Studien – und ich persönlich auch – gehen davon aus, dass durch die Digitalisierung mehr neue Arbeitsplätze entstehen als wegfallen.“

Für diese Arbeitsplätze würden allerdings zusätzliche Kompetenzen benötigt. „Der Schlüssel liegt deshalb in gezielter Qualifizierung, die künftig noch wichtiger wird als bislang schon“, so Müller. Dies beginne schon in der Berufsausbildung und sollte lebensbegleitend im Berufsalltag weitergeführt werden.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft