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Dorfhistorie Wechselvolle Geschichte beginnt 1249

DINGSTEDE - An der westlichen Gemeindegrenze zu Ganderkesee liegt Dingstede. Das Dorf wird in einer Urkunde des Klosters Hude aus dem Jahre 1249 als „Thingenstede“ erstmals urkundlich erwähnt. So verhalf die Existenz einer „Thingstätte“ (Gerichtsstätte) dem Ort zu seinem Namen, der ursprünglich zum Kirchspiel Ganderkesee gehörte.

Die Überreste eines gegen Ende des 18. Jahrhunderts zerstörten Großsteingrabes werden mehrfach mit der Gerichtsstätte in Verbindung gebracht. Eine Nachbildung wurde 1973 am Ortsrand angelegt.

Im Jahre 1371 verkaufte Graf Christian von Oldenburg seinen Leibeigenen in Dingstede für vier Bremer Mark und 1000 Ziegelsteine an das Kloster Hude. Bereits 1596 werden 16 Hofstellen genannt, weitere 100 Jahre später waren es schon 27. Das Brandkassenregister von 1764 enthält 32 Versicherte in Dingstede. Nachdem 1758 die kirchliche Zugehörigkeit von Ganderkesee nach Hatten verlegt wurde, mussten die Sitzplätze in der St. Ansgari-Kirche bedeutend erweitert werden. Nachdem es in Dingstede bis dahin nur eine Schulstube gab, ließ die Hatter Kirche 1790 den Bau einer eigenen Schule vornehmen, die 1855 von 72 Schülern besucht wurde. Am Weg nach Sandersfeld entstand 1865 eine Windmühle. In früheren Jahren wird vielfach über den Obstanbau berichtet, den die Einwohner mit großem Fleiß betrieben.

Über Jahrhunderte verlief der so genannte Post- und Handelsweg von Bremen über Falkenburg durch Dingstede, dann weiter über die 1813 erbaute Franzosenbrücke nach Schmede am „Sandkrug“ vorbei nach Oldenburg. Es war der Winterweg, der in Ding­stede beim Dorfteich den Stedinger Weg kreuzte, wo sich auch eine Krugwirtschaft mit Ausspann befand.

Dabei handelt es sich um das historische Gebäude der Familie Köhler aus dem Jahre 1811, in dem sich der Erbkrug befand, der ab 1653 mit Einrichtung der regelmäßigen Botenpost durch Graf Anton Günther erheblich an Bedeutung gewann. Der Graf hatte die lukrative Besitzung 1657 dem Hatter Pastor Heshusius geschenkt, der den Besitz bereits im folgenden Jahr an den Krugwirt Witthuß verkaufte. Mit dem Bau der Bremer Heerstraße verlor die alte Wegeverbindung 1821 ihre Bedeutung.

Die strategisch wichtige Lage an dieser bedeutenden Fernhandelsstraße erkannten während des 30-jährigen Krieges auch Tillys Truppen. Im Herbst 1626 fiel das Regiment des Grafen von Fürstenberg unter der Führung eines Oberstleutnants Kordenbach mit seinen Soldaten und 1200 Pferden in Dingstede und Schmede ein. Obwohl sie nur drei Tage und zwei Nächte blieben, waren die Schäden erheblich.

Auch in der napoleonischen Zeit (1811/13) gab es in Dingstede Einquartierungen, auf dem Hof Grashorn (Golfplatz) erinnert die Napoleoneiche an jene Zeit.

Während der letzten Kriegstage im April 1945 brannten in Dingstede mehrere Gebäude nieder, darunter auch die Mühle. Bei den Kampfhandlungen zwischen den alliierten Truppen und der Deutschen Wehrmacht gab es auch Tote und Verwundete.

Über die Dingsteder Geschichte gibt es umfangreiche Materialien: 1964 verzeichnete Bernhard Havighorst (1895-1981) aus Kirchhatten die Häuser mit ihren Eigentümern und Bewohnern in der Chronik Dingstede (108 Seiten), die von Helga Dählmann (geborene Egbers) 2003 in einer Neubearbeitung herausgegeben wurde.

Wolfgang Martens

(51) ist Gemeindehistoriker und hat ein umfassendes Archiv mit Dokumenten, Abbildungen und Fundstücken aus der Geschichte von Hatten angelegt. Drei Bücher („Hatter Bilderchronik“, „Graf Anton-Günthers Güter und Mühlen in Dötlingen und Hatten“ und „Die Gemeinde Hatten – ein Streifzug durch die Geschichte“) hat er verfasst; dazu kommen zahlreiche Beiträge für andere Publikationen.
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