DIPPOLDISWALDE/BöSEL - Volljährig wird in diesem Jahr die Städtepartnerschaft zwischen Bösel und Dippoldiswalde im Osterzgebirge. In den letzten 18 Jahren hat sich nicht nur hier, sondern vor allem auch in Sachsen einiges getan.
Der Wandel ist überall spürbar, und ihn werden auch die Böseler bemerken, die Ende Mai zum Stadtfest nach „Dipps“, wie die Stadt kurz genannt wird, fahren. Jetzt, in den Tagen vor Ostern, schmilzt wenige Kilometer nördlich auf der Bobbahn in Altenberg der letzte Schnee, und im Dippser Stadtpark blühten am Palmsonntag die Osterblumen zu Hunderten.
Der kirchliche Feiertag am Sonntag vor Ostern wurde auch wieder bemerkt. Nach wie vor geht nur jeder 20. Bürger im Osten zu Ostern in die Kirche. Doch kirchliche Bräuche spielen eine immer größere Rolle. Vor 18 Jahren jedenfalls wusste die Böseler Delegation bei ihrer ersten Dippser Reise nichts mit dem „Internationalen Frauentag“ Anfang März anzufangen, und die Gastgeber staunten ob der Auskunft, dass nur eine Frau – damals war das Luzia Fennen – im Böseler Rat war. Dafür kannten die Dippser den Palmsonntag nicht.
Aber noch immer fährt der katholische Pfarrer – wenn die Sachsen der Kirche angehören, dann zumeist der evangelisch-lutherischen – mindestens 200 Kilometer, um zwischen Pirna, Meißen und Zinnwald seine wenigen Erstkommunionkinder für einen gemeinsamen Gottesdienst zusammenzuholen.
Große Ereignisse werfen in Dipps ihre Schatten voraus. An diesem Wochenende zu Ostern findet im neuen Sportpark, gut geplant mit mehreren Kegelbahnen im Untergeschoss, das U-19-Länderspiel der Volleyball-Damennationalmannschaft gegen Polen statt. Dipps war schon immer eine Volleyball-Hochburg.
Und „Die Puhdys“ kommen. Beim Dippser Stadtjubiläum vor 15 Jahren waren sie in den Nachwendejahren in der Versenkung verschwunden. Die Organisatoren verpflichteten die Band 1993 für 10 000 D-Mark. Jetzt sind sie wieder aktuell, und für das Konzert am 28. Juni auf dem historischen Rathausplatz muss die fünffache Summe hingeblättert werden – und das in Euro.
Rings um den Rathausplatz sind alle Gebäude mittlerweile saniert. Nur eins fehlt noch, da die Eigentumsfrage lange ungeklärt war. Ein Männerpaar betrieb hier ein französisches Restaurant („Pirot“), in das die Böseler immer gerne einkehrten. Jetzt bieten Polen hier einen Eis-Salon.
Sorgen machen sich viele Dippser wegen der plötzlichen Löcher mitten im Stadtkern. Da verschwindet schon mal plötzlich ein Keller und riesige Abrutschungen müssen verfüllt werden. Fachleute gehen davon aus, dass dieses Problem noch größer wird. Unter der gesamten Stadt wurde einst Erz gefördert; das Stadtensemble steht quasi über einem Bergwerk.
Mittlerweile gibt es auch wieder mehr Nachwuchs. „Die Bewilligung des Elterngeldes dauert jetzt sechs Monate“, hat Katleen Schubert bemerkt. Aber eine Grundschule gibt es in der Kreisstadt, die diesen Status im Sommer an Pirna verliert, nicht mehr; die Kleinsten werden in Reichstätt unterrichtet. Dipps, immerhin über 10 000 Einwohner, bietet dafür die Mittelschule – eine Sekundarschule, die Haupt- und Realschule vereint – und ein Gymnasium.
