Oldenburg - „Viele wissen gar nicht, dass...“: Mit diesem Einstieg begann ein Großteil der Gespräche bei der Ausbildungsmesse „job4u“ in den EWE-Arenen. Die rund 10 000 Besucher erfuhren am Freitag und Sonnabend nämlich von den 130 Ausstellern, dass die traditionellen übersichtlichen Berufsbezeichnungen mit dem heutigen Arbeitsmarkt nur noch wenig zu tun haben.

„Viele wissen gar nicht, dass wir nicht mehr nur einfache Elektriker sind“, erzählte zum Beispiel Dieter Meyer, Obermeister der Elektro-Innung Oldenburg. Mit dem etwas abschätzig gemeinten „Strippenzieher“ habe der Beruf inzwischen wenig zu tun. Fachbereiche wie Automatisierungstechnik, Maschinen- und Antriebstechnik oder Bürosystemtechnik zeigen, wie spezialisiert es zugeht.

Das mussten Meyer und die anderen Aussteller oftmals auch den Eltern erklären. Viele Mütter und Väter begleiteten besonders am Freitagnachmittag und Sonnabend ihren Nachwuchs, um ihm beratend zur Seite zu stehen. „Ich halte mich meistens im Hintergrund“, sagte Siegbert Randzio aus Oldenburg. „Aber man kann natürlich noch zusätzliche Fragen aus seiner Erfahrung heraus stellen.“

Sein Sohn, der 15-jährige Leon, war über diese Unterstützung ganz froh, zumal sein Vater ihn überhaupt auf die Messe aufmerksam gemacht hatte. Nun konnte er sich in Ruhe Informationen über seine Möglichkeiten im pädagogischen Bereich einholen. „Es ist gut, dass man hier direkt mit den Leuten, die Ahnung haben, reden kann.“

„Das ist genau der richtige Weg, junge Leute für Berufe zu begeistern“, lobte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), der am Sonnabend die „job4u“ besuchte, das Konzept. Sein Rundgang führte ihn auch zu seinem eigenen Arbeitgeber, dem Land Niedersachsen, an dessen Stand ebenfalls eine Berufsüberraschung wartete.


Dass das Land nämlich auch Feinblechmechaniker ausbildet, das war für den Minister neu. Frederick Meyer und Kai Glaubke lernen diesen Beruf an der Oldenburger Universität. „Wir bauen Versuchsapparate für die Forschung, die man so nicht kaufen kann“, erklärten die beiden jungen Männer. Petra Rossmann vom Ministerium für Inneres und Sport kennt diese Überraschung über solche unerwarteten Arbeitsgebiete. „Wenn die Leute hören, dass wir 60 Ausbildungsberufe anbieten, fällt erst einmal die Kinnlade herunter.“ Gerade um das bekannt zu machen, seien solche Messen wichtig.

Das fanden auch zahlreiche andere Arbeitgeber, weshalb Thomas Hildebrandt, Geschäftsführer der veranstaltenden IHK Oldenburg, die „job4u“ als großen Erfolg wertete. „Wir müssen sogar überlegen, ob es Sinn macht, sie noch weiter zu vergrößern“. Denn obwohl (oder gerade weil) die Zahl der Jugendlichen in Zukunft eher sinken wird, war die Messe bereits im April ausgebucht und es gab eine Warteliste.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)