Oldenburg - Egal ob Schneewittchen, Elsa oder Arielle: Disney-Filme begeistern Fans aller Altersklassen seit Jahrzehnten. Ganz neu ist, dass die Prinzessinnen, Helden und Bösewichte in einem Sammelkartenspiel verewigt worden sind. In Zusammenarbeit mit dem Spieleentwickler Ravensburger hat Disney im September „Disney Lorcana“ in Europa und Nordamerika veröffentlicht. Die Sammelkartenbranche erfreut sich großer Beliebtheit. Die Platzhirsche der Szene, Magic the Gathering, Yu-Gi-Oh und das Pokemon Trading Card Game (TCG, deutsch: Sammelkartenspiel), verzeichnen allesamt seit Jahren hohe Umsätze. Auf diesen Zug springen nun Disney und Ravensburger auf.
Das Sammelkartenspiel im Disneyuniversum sorgte schon nach der Ankündigung für Aufsehen in den sozialen Medien – sowohl bei Fans von Micky, Donald und Goofy, als auch bei eingesessenen Kartenspielern. Doch auf eben jene wartete beim Besuch im Geschäft eine Enttäuschung: Die Regale sind leergefegt. Die Lorcana-Produkte gingen weg wie warme Semmeln und einige Geschäfte bekamen die Produkte gar nicht erst geliefert.
Angebot in Oldenburg
Im Oldenburger Itemstar, einem Fachgeschäft für Sammlerstücke, waren die Karten ausverkauft, ehe Inhaber Ulf Pigors die Ware in die Regale stellen konnte. „Es hat nicht lange gedauert, bis die Produkte weg waren – maximal drei oder vier Tage“, sagt er. Dafür hat der Itemstar-Geschäftsführer eine Erklärung, denn einen ähnlich großen Hype habe er vor einigen Jahren um das Pokemon TCG wahrgenommen. „Pokemon hat den Sammelkartenhype der jüngsten Vergangenheit losgetreten. Damals haben viele Influencer Videos gepostet, in denen sie teure Karten zeigten und wie viel Gewinn sie mit diesen gemacht haben“, sagt Pigors.
Der Hype führte dazu, dass Sammelkartenfans in ihre Keller stürmten und nach Schätzen aus ihrer Kindheit gruben und gleichzeitig die Verkaufszahlen neuer Pokemon-Karten in die Höhe schossen. Viele der Kunden, die nun Lorcana Produkte kaufen, würden dies gezielt tun, um damit Profit zu machen – nicht, um damit zu spielen, so Pigors.
Hoher Wiederverkaufswert
Das mangelnde Angebot führt indes dazu, dass die Disney-Sammelkarten auf dem Zweitmarkt für mehr als Originalpreis eingestellt werden. „Online wurden die Lorcana-Produkte für den zwei- oder dreifachen Preis verkauft“, sagt Pigors. Durch einen Nachdruck des Produktes könnte die hohe Nachfrage bedient werden. Allerdings könnte dies dazu führen, dass die einzelnen Karten weniger Wert im Weiterverkauf haben. Langfristig würde eine zu große Auflage im Nachdruck dazu führen, dass Ravensburger Umsatzeinbußen zu befürchten hat – denn der Wert von Sammelkarten auf dem Zweitmarkt ist häufig ein Kaufgrund für Sammler.
Zu hohe Auflagen seien laut Pigors schon der Untergang anderer Sammelkartenspiele gewesen: „Das Digimon TCG hatte ebenfalls einen großen Hype, weshalb die Hersteller dann Karten nachgedruckt haben. Karten, die erst mehrere hundert Euro und dann plötzlich nur noch zehn Euro wert waren“, erinnert er sich.
Neu in der Branche
Die Ursache des Verfügbarkeitsproblems sieht Pigors darin, dass Ravensburger noch neu im Sammelkartengeschäft ist: „Ich glaube, der Verlag hat nicht mit einer so großen Nachfrage gerechnet, da es das erste Kartenspiel aus dem Hause ist, das sonst für Puzzle und Brettspiele bekannt ist.“ Auch den Verantwortlichen bei Ravensburger ist bewusst, dass es schwierig wird, sich im TCG-Markt durchzusetzen: „Disney Lorcana ist das ambitionierteste Projekt in der jüngeren Geschichte von Ravensburger“, sagt Florian Baldenhofer, zuständig für das Warengruppenmanagement neuer Produkte des Spielherstellers. Die Nachfrage sei viel größer als vermutet: „Seit Lorcana in den Regalen steht, ist die Resonanz sehr positiv und hat selbst unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“, sagt Filip Francke, globaler Leiter für den Bereich Spiele.
Um der hohen Nachfrage nachzukommen, plant Ravensburger einen Nachdruck der ersten Edition von „Disney Lorcana“. Auf seiner Instagram-Seite schrieb der Konzern, dass die Karten im ersten Quartal 2024 in Europa und Nordamerika wieder zur Verfügung stehen werden. Unterdessen steht in diesem November die Veröffentlichungen der zweiten Edition auf dem Plan.
Aber auch die zweite Edition werde vielen verwehrt bleiben, sagt Ulf Pigors, Inhaber des „Itemstar“ in Oldenburg. „Das zweite Set ist bei vielen Lieferanten jetzt schon ausverkauft. Wir werden nicht so viele Produkte bekommen, wie wir verkaufen könnten“, sagt er.
Auf dem Zweitmarkt werden die Disney-Sammelkarten aktuell knapp über dem regulären Ladenpreis gehandelt. Bevor der Nachdruck offiziell angekündigt wurde, wurden die Kartenpackungen aber für wesentlich teurer weiterverkauft.
Eine Packung, in der sich zwölf zufällige Karten befinden, kostet momentan bei einem Onlinehändler etwa zehn Euro. Zum Veröffentlichungszeitpunkt lag der Preis bei etwa sechs Euro. Nur mit einem „Booster“, wie die Kartenpackungen genannt werden, lässt sich Lorcana aber noch nicht spielen. Dazu benötigt es ein 60-Karten-Deck. Vorgefertigte Decks gab es Anfang September für 20 Euro verkauft. Im Wiederverkauf zahlt man momentan etwa 25 Euro. Bevor der Nachdruck angekündigt wurde, lag der Preis für eines dieser „Starterdecks“ bei etwa 40 Euro.
Problem intern bekannt
Dass es ein Problem mit der Verfügbarkeit von Lorcana gibt, ist auch intern Thema: „Hinter den Kulissen wird fleißig daran gearbeitet, die Nachfrage zu befriedigen“, sagt Francke. Steffen Vierrether, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Projektes, untermauert diese Aussage: „Wir hatten mit einem enormen Zuspruch gerechnet, aber man kann nie wissen, wie groß ein Hype wird. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, jeden an Disney Lorcana teilhaben zu lassen“, verspricht Vierrether.
