DöTLINGEN - Mit 38 Jahren entschied sich Margrit Haselei, einen neuen Weg einzuschlagen. Die Angestellte beim Landkreis Oldenburg und Studentin der Sonderpädagogik faszinierte damals der skandinavische Weg, behinderten Menschen ein so normales Leben wie möglich zu bieten. Haselei beließ es nicht bei der Vision, sondern sie machte sich an die Umsetzung ihrer Vorstellung von Hilfen für Menschen mit Beeinträchtigung. Mit drei Mitarbeitern startete sie 1995 in Räumlichkeiten in der alten Molkerei in Neerstedt. Das war die Geburtsstunde der Norle (Normales Leben) und der Startschuss zu einer inzwischen 15-jährigen Erfolgsgeschichte.
Diese Entwicklung wurde am Freitag vor knapp 100 Gästen bei einem Empfang im Lopshof-Café gewürdigt. „Das ist eine hervorragende und beachtliche Leistung, auf die Sie stolz sein können“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin von Dötlingen, Anke Spille. Rund 180 Mitarbeiter sind inzwischen in sieben Landkreisen und zwei kreisfreien Städten tätig und begleiten rund 600 Menschen.
Mit drei Übernachtungsmöglichkeiten war die Norle 1995 gestartet. Die flexiblen Zeiten und das Eingehen auf die Bedürfnisse der behinderten Menschen und deren Angehörigen erwiesen sich als der richtige Kurs. „Wir waren sehr schnell ausgebucht“, erinnerte sich Haselei. Die gemeinnützige GmbH wuchs und wechselte mit ihrem Familienentlastenden Dienst (FeD) 1997 nach Großenkneten. Danach entwickelte sich die Norle kontinuierlich weiter. Diesen Prozess schilderte der stellvertretende Geschäftsführer Ralf Lanfersiek. Das symbolisierten die Mitarbeiter mit dem Bau des „Norlehauses“. Für jedes Ereignis brachten sie einen Stein am Freitagmittag nach vorne, so dass ein beachtliches Karton-Gebäude entstand.
Zwei große Schritte erfolgten 2006/2007: Zunächst wurde die Norle in eine pädagogische und in eine pflegerische gemeinnützige Gesellschaft geteilt. 2007 wurde die Geschäftsstelle im vollkommen sanierten Lopshof eingerichtet, zudem der FeD und eine Wohngemeinschaft im einstigen Schullandheim untergebracht. Das Café-Restaurant eröffnete und bietet seitdem auch fünf Menschen mit Beeinträchtigungen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.
„Der Lopshof platzt schon wieder aus allen Nähten“, so Lanfersiek. Daher werde bald in einer ehemaligen Apotheke an der Bahnhofstraße/Ecke Heemstraße in Wildeshausen ein neuer Standort eröffnet, in den die Verwaltung umziehe und ein Multifunktionsraum für Tages- und Freizeitangebote für alle Altersklassen geschaffen werden, kündigte Lanfersiek an. Der Hauptsitz bleibt im Lopshof. Die Geschäftsführer würdigten das große Engagement der Mitarbeiter. Bianca Grafe übergab für die Mitarbeiter ein Geschenk an Haselei mit den Worten: „Das ist für uns nicht nur Beruf, sondern wir empfinden es als Berufung, Dich zu begleiten.“
An diesem Sonnabend, 12 bis 18 Uhr, stellt sich die Norle in Dötlingen mit einem Tag der offenen Tür vor. In der kommenden Woche gibt es eine Reihe von Vorträgen.
