DöTLINGEN - Die Lebensmittelerzeugung in Deutschland sei grundsätzlich gut aufgestellt. Das Planen und Handeln müsse jedoch mehr als bisher in einen gesamtgesellschaftlichen Rahmen gestellt werden. Die Forderungen der Verbraucher müssten ernst genommen werden. Eine entsprechende Kommunikation sei „unverzichtbar“. Das sagte Gert Lindemann, Niedersachsens Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, am Freitagabend beim „9. Norddeutschen Vieh- und Fleischhandelstag“ der Verbände Hannover, Schleswig-Holstein/Hamburg und Weser-Ems in Dötlingen (Kreis Oldenburg).
Lindemann geht davon aus, dass sich der Strukturwandel in der Tierhaltung fortsetzen wird, nachdem allein in der Schweinehaltung die Zahl der Betriebe innerhalb eines Jahrzehntes von 21 000 auf 8000 gesunken sei, bei einer gleichzeitigen Ausweitung des Bestandes. Bei den Milchkuhbetrieben sei die Zahl um mehr als 6000 auf rund 13 000 gesunken, bei etwa konstanter Milchmenge.
Der Strukturwandel bei gleichzeitiger Erhaltung oder gar Ausweitung des Produktionsvolumens sei aber nur durch entsprechende Investitionen möglich. Dies sei nicht nur eine Frage des Kapitals, sondern etwa auch des Stallbaus. In Gebieten mit bereits hoher Viehdichte sprach sich Lindemann dafür aus, dass kommunale Entscheidungsträger durch Anpassung des Bundesbaurechts „die Möglichkeit erhalten, negative Auswüchse zu verhindern“. Zugleich wolle er aber auf keinen Fall die grundsätzliche Privilegierung der Landwirtschaft im Rahmen des Bundesbaugesetzbuches einschränken.
Lindemann sprach auch ein Thema an, das für den Vieh- und Fleischhandel zurzeit besonders wichtig ist, weil es auch zu Verteuerungen führen dürfte, wie Verbandsgeschäftsführer Dirk Meinardus (Varel) erläuterte: die EU-Tierschutz-Transportverordnung. Sie soll gemäß einer bundesweit abgestimmten Vorgehensweise umgesetzt werden. Dies führe bei einer Maximal-Höhe von vier Metern für Lastwagen dazu, dass nur einstöckig transportiert werden könne, hieß es. Er sei mit dieser Vorgehensweise jedoch unzufrieden, so Lindemann. Niedersachsen müsse sich aber an der Umsetzung beteiligen. Er verwies darauf, dass auch in Dänemark doppelstöckige Rindertransporte nicht mehr möglich seien. Die Niederlande gingen einen vergleichbaren Weg. Lindemann wies darauf hin, dass bei der Maximalhöhe Ausnahmegenehmigungen möglich seien. Die „Notwendigkeit“ dazu solle die Wirtschaft auch an die Verkehrsminister herantragen. Das letzte Wort in dieser Diskussion sei noch nicht gesprochen.
Albert Hortmann-Scholten vom Fachbereich Betriebswirtschaft und Markt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erwartet für 2012 eine weiter leicht rückläufige Rindfleischerzeugung in Deutschland, eine global stagnierende Produktion und international stark steigende Preise.
