Tweelbäke - Fröhlich bellt die kleine Dolly an Bord der MS Oldenburg. Mit wedelndem Schwanz läuft die 15 Monate alte Hündin ihrem Herrchen, dem Binnenschiffer Ferdinand Frerichs, treppauf, treppab hinterher, wenn es durch die Schleuse geht. Ganz offensichtlich gefällt Dolly diese Arbeit, sie ist eben ein richtiger Bootshund. Wer Dolly sieht, ahnt nicht, welches Schicksal die Hündin hinter sich hat. Sie stammt von der Insel Zypern und gehörte zu den vielen Hunden, die dort herrenlos herumstreunen – von Menschen einfach ihrem Schicksal überlassen.
Der Verein Zypernhunde in Oldenburg kümmert sich seit fünf Jahren mit Tierschützen auf Zypern darum, diese Hunde in liebevolle Hände zu vermitteln. Hauptziel des Vereins ist jedoch, das Bewusstsein der Zyprioten dahingehend zu verändern, dass sie Hunde als Teil der Familie ansehen und ihnen ein würdiges Leben bieten.
Über Mauer geworfen
Noch sei es leider so, dass der Tierschutz auf Zypern kaum oder gar nicht von der Politik und der Bevölkerung gelebt werde, weiß der Oldenburger Stefan Sander, Schatzmeister des Vereins. Er und seine Freundin Sandra Lübben (2. Vorsitzende) haben schon drei Zypernhunde aufgenommen: Sina fanden sie als Welpen am Strand, Scara und ihr Sohn Timmi waren über eine Mauer auf ein Hotelgelände geworfen worden. Eine „Entsorgung“ lästiger Hunde, die sogar noch human sei, sagt Stefan Sander.
Auf Zypern gebe es kaum reine Straßenhunde, sondern zumeist Tiere (auch Katzen), die schon einmal in einem Haushalt gelebt haben. „Man hält sich auf Zypern gern Hunde für die Jagd. Sie werden aber nicht dafür ausgebildet. Bringen sie nicht die gewünschte Leistung, werden sie ausgesetzt.“ In den öffentlichen Tierheimen würde sich niemand wirklich für die Hunde interessieren. Letztlich landeten viele in Tötungsstationen und bekämen nach zwei Wochen der Verwahrung die Todesspritze.
Tierschützer aus England, der Schweiz und Deutschland, die auf der Insel leben, haben Organisationen und Tierheime auf Zypern gegründet und arbeiten mit dem Verein Cydra zusammen – so auch der Verein Zypernhunde. Mehr als 1000 Hunde wurden seit der Gründung vermittelt.
Den Tierschützern ist aber auch klar, dass sie sich nicht auf die Vermittlung von Tieren in und nach Deutschland beschränken dürfen. „Das wäre auch das völlig falsche Signal für die zypriotische Bevölkerung“, betont Sander. Und so setzt man nun da an, wo man Hoffnung sieht: bei der jungen Generation.
Als neueste Initiative zur Verbesserung des Verständnisses zwischen Mensch und Hund auf Zypern wurde zusammen mit Cydra das Bildungsprogramm „Be a Tree“ für Kinder gestartet. Man geht in die Schulen und versucht, bei den Kindern Verständnis für den Hund als besten Freund zu wecken.
Leben an Deck
Um über seine Arbeit zu informieren, veranstaltet der Verein Zypernhunde am 10. August das zweite Hunde-Sommerfest auf dem Firmengelände von Stefan Sander (siehe Info-Kasten). Dann wird auch Ariene Jeanne Kranenburg als Helferin vor Ort sein – während ihr Mann Ferdinand Frerichs an Bord arbeitet. Lange haben Frerichs und seine Frau, die aus den Niederlanden stammt, nach dem richtigen Bootshund gesucht. „Nicht zu groß sollte er sein, denn kleine Hunde sind für das Leben an Deck besser geeignet“, sagt der 48-jährige Oldenburger.
Selbstverständlich hätten er und seine Frau, die auch schon ehrenamtlich in einem niederländischen Tierheim gearbeitet hat, sich in Deutschland nach einem Hund umgesehen, betont Frerichs. Auf den Verein Zypernhunde seien sie durch einen Artikel in der NWZ gestoßen und hätten auf der Vereins-Homepage Dolly entdeckt. Im August 2012 kam die Hündin nach Oldenburg. Dolly mögen Ferdinand Frerichs und seine Frau nicht mehr missen – und das beruht augenscheinlich auf Gegenseitigkeit.
