DONNERSCHWEE - Mucksmäuschenstill ist es im Kindergarten St. Bonifatius. Die im Stuhlkreis versammelten Kinder gucken gebannt auf eine Decke in der Mitte, auf der die fünf Monate alte Mirka Albrecht liegt. Die Kinder widmen sich ganz dem sogenannten Baby-Watching.
„Jeden Freitag kommt Mirka mit ihrer Mutter in den Kindergarten, über einen Zeitraum von einem Jahr“, erzählt Erika Schnell, die dieses Projekt in Oldenburg eingeführt hat. Sie ist Physiotherapeutin und arbeitet seit 30 Jahren mit Kleinkindern. Durch ihre Arbeit und Fortbildungen ist sie auf das Baby-Watching aufmerksam geworden. Entwickelt hat dieses Konzept der Amerikaner Henri Parens, der sich in seiner Forschung der Vorbeugung von aggressivem Verhalten bei Kindern gewidmet hat.
Erika Schnell hat das kostenlose Projekt verschiedenen Oldenburger Kindergärten vorgestellt, und der St. Bonifatius Kindergarten war interessiert. „Viele Kinder, die keine kleinen Geschwister haben, sammeln so ganz neue Erfahrungen. Wir wussten auch sofort, welche Mutter für dieses Projekt geeignet wäre“, sagt Leiterin Monika Osterhues. Schon die Schwangerschaft von Nadja Albrecht, Mirkas Mutter, haben die Kinder verfolgt, da Albrecht eine Tochter im St.-Bonifatius Kindergarten hatte. „Ich fand dieses Projekt sehr interessant, deshalb unterstütze ich es“, erzählt Albrecht.
Die Kinder freuen sich jede Woche auf die halbe Stunde, in der sie Mirka beobachten dürfen. Hierbei werden sie von Schnell gefragt, was ihnen an Mirka auffällt, ob sie sich verändert hat. Sofort antworten die Kinder, dass Mirka sich schon auf den Bauch drehen kann, was sie vor ein paar Wochen noch nicht konnte. Sie merken auch, wenn Mirka etwas stört. „Durch die Fragen mache ich die Kinder auf Veränderungen aufmerksam. Ziel ist es, dass Kinder auch untereinander achtsamer miteinander umgehen. So lernen sie zu erkennen, wenn jemand zum Beispiel schlechte Laune hat. Hier wird Empathie gefördert“, erklärt Schnell.
Mirka hat eine starke Wirkung auf die Kinder, sie schenken ihr alle Aufmerksamkeit, und über jedes Lächeln von ihr freuen sie sich. „Es ist toll, dass Mirka jede Woche kommt, denn sie zeigt uns immer etwas Neues“, freut sich Kindergartenkind Alexandra.
