Oldenburg - Die Oldenburger Druckerei-Betriebe können vorerst aufatmen – und die Stadt kann Drucker-Hochburg bleiben. Denn der Einsatz für den Erhalt des schulischen Teils der Drucker-Ausbildung am Bildungszentrum für Technik und Gestaltung (BZTG) hat sich gelohnt. „Die Lehrlingszahlen sind jetzt soweit gut. Wir können die entsprechende Klasse bilden“, sagte BZTG-Leiter Wolfgang Meyer am Donnerstag.

Farid Menezla, Abteilungsleiter Druck bei CPC Haferkamp, die in jedem Lehrjahr zwei Drucker-Azubis ausbilden, hatte zuvor für die Druckereien darauf hingewiesen, dass die bei der IHK-Umfrage im Frühjahr angekündigten Zahlen fürs 1. Lehrjahr sogar übertroffen werden. 14 bis 15 Azubis waren angekündigt, 17 sind es geworden. Auch für die beiden kommenden Schuljahre liegen Zusagen in dieser Höhe vor.

2014 lag die Zahl der Azubis im 1. Lehrjahr bei neun, in den Vorjahren noch darunter. Daraufhin hatte das BZTG aus Kostengründen die Auslagerung nach Emden oder Osnabrück ins Spiel gebracht. Damit war die Schule auf massiven Protest gestoßen, die Betriebe kündigten erfolgreich eine Steigerung ihrer Ausbildungsaktivitäten an. Menezla: „Wir gehen davon aus, dass unser Einhalten der Zusage sowohl den Stadtrat als auch den Oberbürgermeister sowie den Schulleiter des BZTG überzeugt und sie sich in Zukunft gemeinsam für den Erhalt des Schulstandortes Oldenburg für die Druckereilehrlinge einsetzen.“ Oldenburg und der Norden müssten ihre traditionell starke Stellung im Druckerei-Bereich unbedingt erhalten.

Doch während sich die Wolken bei den Druckern derzeit verziehen, deuten sich weitere Problembereiche an. Meyer: „Bei zurückgehenden Schülerzahlen kommt ein generelles Problem auf uns zu. Das zeichnet sich schon in einigen Bereich ab, etwa bei den Gestaltern für Visuelles Marketing, Zerspanern, Metallfeinbearbeitern, Fahrzeuglackierern. Die Frage ist, wie lange wir das halten können.“

Getroffen hat es bereits die Glaser, bei denen die Klassenstärke auf „drei bis fünf Azubis“ gesunken war, so Meyer.

Was das bedeutet? „Mein Sohn macht seit dem 1. August 2014 eine Ausbildung zum Glaser. Jetzt müssen er und seine Mitschüler plötzlich drei Wochen mit dem Zug zur Berufsschule nach Bremen fahren. Bei einer Ausbildungsvergütung von 420 Euro ist das für uns schwierig“, sagt Andreas Böseleger. Angesichts des Fachkräftemangels solle man jungen Menschen nicht die Motivation nehmen. Böseleger: „Für alles mögliche ist in diesem Land Geld da, doch für die Qualifikation und Ausbildung unserer Fachkräfte nicht.“ Das sei auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und nicht zuletzt der Zukunft des Handwerks.

Ob trotzdem in gering besetzten Ausbildungsgängen künftig auf Blockunterricht und die Konzentration in unterschiedlichen Städten gesetzt wird, ist offen. Die Frage, wo die Schule stattfindet, dürfte Lehrlinge und Eltern bei der Berufsentscheidung künftig stark interessieren. Stadt, Land und Schulen wollen am 13. Oktober über das Problem sprechen. „Derzeit schieben sich Betriebe und Land wegen der Kosten die Verantwortung gegenseitig zu“, sagte ein Experte am Donnerstag.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg