Wildeshausen - Zwei von drei Befragten gaben in einer Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg an, dass sie die Entwicklung zum „Du“ als Anrede in vielen Firmen nicht gut fänden. Sie wollten am Arbeitsplatz von ihren Chefs oder Untergebenen lieber gesiezt werden.

Die NWZ  fragte aus diesem Grund bei Firmen, Verwaltung und Schulen in Wildeshausen nach. Das Du scheint sich hier jedoch durchzusetzen:

Du auf dem Vormarsch

Bei der Oldenburgischen Landesbank (OLB) gibt es keine Richtlinie. Jeder Vorgesetzte könne selbst entscheiden, ob er seine Mitarbeiter duze oder sieze, sagt Ralf Müller, Leiter der OLB-Filiale Wildeshausen. Er persönlich duze seine Mitarbeiter, die er als Kollegen sieht. Von Auszubildenden lasse er sich jedoch siezen. Und bei Kunden: „Als Ur-Wildeshauser kenne ich viele Kunden, die ich dann auch duze“, so Müller. Bei Kunden, die er nicht kenne, sei es für ihn nicht vorstellbar, diese zunächst zu duzen.

Recht unkompliziert sieht das Thema „Duzen“ auch Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski. „Da ich ja schon meine Lehre hier gemacht habe, kenne ich viele Leute recht lange, und die duzen mich auch“, erklärt er. Damit setzt er sich deutlich von seinem Vorgänger ab, der sich von allen siezen ließ. „Ein Krisengespräch kann man durchaus auch per Du führen“, weiß der Bürgermeister aus Erfahrung. Generell gebe es beim Thema „Du“ aber keine festen Regeln, sondern eine Mixtur aus allem.


Sich Respekt über die Sie-Form zu verschaffen, das hält auch Stefan Iken für nicht sinnvoll. Dadurch würde eine künstliche Unterscheidung entstehen. Durch den Umgang miteinander würde der Respekt besser aufgebaut werden. Aus diesem Grund duzen sich Vorgesetzte und Mitarbeiter in der Werbeagentur Team Iken. Hierarchien sollen durch Kompetenzen aufgebaut werden und nicht durch eine unterschiedliche Ansprache, so Iken. Daher würden auch Auszubildende vom ersten Tag an geduzt. Sogar ein Teil der Kunden werde geduzt, da auch in deren Unternehmensphilosophie das Du Einzug erhalten habe, so Iken.

Seit 31 Jahren gehört das „Du“ zur Firmenkultur von Hermes Systeme in Wildeshausen. „Seit mein Vater die Firma 1985 von Fritz Lamprecht übernommen hat, duzen wir uns alle im Betrieb“, sagt Geschäftsführer Ingo Hermes. Er habe das Du an keinem Tag in Frage gestellt, als er Anfang der 2000er Jahre in die Fußstapfen seines Vaters Fritz Hermes trat. „Mein Vater ist in der Landwirtschaft und mit Plattdeutsch aufgewachsen. Da ist das Du üblich“, erklärt Ingo Hermes.

Fritz Lamprecht hingegen habe früher die Lehrlinge im Betrieb geduzt. Mit dem Tag der Gesellenprüfung habe er sie dann gesiezt. Da sei er sehr korrekt gewesen.

Nach Ansicht von Ingo Hermes schafft das Du ein Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Firma im ländlichen Raum. Hermes Systeme beschäftigt 178 Mitarbeiter. „Mit dem Du gebe ich zwar eine gewisse Distanz und einen Status ab“, so Hermes, „doch wenn ich etwas mit einem Du nicht ehrlich sagen kann, kann ich es mit einem Sie auch nicht.“

In den Schulen wird ab einem gewissen Alter vom Du auf Sie umgestellt. Die Lehrer werden weiterhin mit Nachnamen angesprochen. Die Schüler am Gymnasium in Wildeshausen werden ab Klasse 10 gesiezt und mit dem Vornamen angesprochen. In manchen Klassen wird das Du in Absprache zwischen Lehrern und Schülern jedoch beibehalten. Während das Kollegium sich untereinander duze, würde die Schulleitung gesiezt, sagt Lehrerin Vanessa Latza. Lehrer hingegen würden von den Schülern immer mit Nachnamen gesiezt.

In der BBS wird gesiezt

An den Berufsbildenden Schulen des Landkreises Oldenburg in Wildeshausen werden die Schüler grundsätzlich gesiezt, da diese zum Teil schon volljährig und berufstätig sind. Schulregeln und Informationen wurden aus diesem Grund in den vergangenen Jahren in Sie-Form umgestellt, erklärt Schulleiter Gerhard Albers. Die älteren Schüler würden mit Nachnamen und jüngere mit Vornamen und Sie angesprochen. Jüngere Teilnehmer in einigen Klassen würden es wollen, dass die Lehrer sie duzen. In Absprache zwischen Lehrkraft und Mitschülern sei dies dann möglich, so Albers.

Renke Hemken-Wulf
Renke Hemken-Wulf Redaktion Münsterland
Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg