DUBAI - Die goldenen Zeiten für Dubai sind vorbei: Die Erbauer der künstlichen Palmeninsel haben mit ihrer Geldnot die internationalen Finanzmärkte geschockt. Das arabische Emirat bat die Gläubiger der Holding-Gesellschaft Dubai World und ihrer Tochterfirma Nakheel um Zahlungsaufschub. Die Scheichs haben sich übernommen, die Finanzkrise trifft sie schwer. Aus Expertensicht dürfte ein Staatsbankrott Dubais aber unwahrscheinlich sein.

Insgesamt soll Dubai World finanzielle Verpflichtungen von rund 60 Milliarden Dollar angesammelt haben. „Dubai hat den Anlegern schlagartig bewusst gemacht, dass noch nicht alles vorbei ist“, sagte Matthias Jasper, Chefhändler der WGZ-Bank, zu den Folgen der Finanzkrise.

Der Deutsche Aktienindex Dax verlor mehr als drei Prozent. Besonders schlimm traf es Bankaktien. Die Deutsche Bank verlor mehr als sechs Prozent.

Hauptgrund für die Zahlungsschwierigkeiten Dubais sei der Niedergang des Immobiliensektors – eine Folge der Finanzkrise, sagte Commerzbank-Experte Luis Costa. Nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA gingen die Häuserpreise in vielen Ländern in den Sinkflug über – so auch in Dubai. Zusammen mit verschärften Kreditbedingungen und dem Rückzug vieler Investoren aus Bauprojekten führte dies dazu, dass die staatseigenen Immobilienkonzerne in Bedrängnis gerieten.

Dennoch hält der Experte einen Staatsbankrott Dubais für unwahrscheinlich. „Dieses Risiko sehe ich zurzeit nicht“, sagte Costa. „Die Partnerstaaten Dubais in den Vereinigten Arabischen Emiraten werden Dubai finanziell zur Seite stehen, nicht zuletzt das finanzstarke Abu Dhabi.“

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur WAM will Dubai, dass die Gläubiger der Dubai-World-Gruppe mindestens bis zum 30. Mai 2010 auf alle fälligen Zahlungen verzichten. Besonders kritisch sei die Lage derzeit bei der Dubai-World-Tochter Nakheel, betonte Costa. Das staatliche Immobilienunternehmen ist in erster Linie mit der Planung großer Bauprojekte betraut. Der Golf-Staat Dubai ist bekannt für seine außergewöhnlichen und teuren Bauten, darunter die künstlichen Palmeninseln.