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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Vom Holzbein zur Hightech-Prothese

16.02.2019

Duderstadt Heute würde man wohl von einem Start-up sprechen: Als Otto Bock vor 100 Jahren einen Einfall hatte, gründete er in Berlin-Kreuzberg einfach eine Firma. Bock hatte erkannt, dass die vielen amputierten Weltkriegsopfer mit handwerklichen Mitteln nicht ausreichend zu versorgen waren. Seine Orthopädische Industrie GmbH begann 1919, Bauteile für Prothesen industriell zu produzieren. Bock leitete so auf seinem Gebiet ein neues Zeitalter ein.

Inzwischen werden Prothesen hierzulande weniger für Kriegsversehrte benötigt als für ältere Diabetes-Patienten oder Unfallopfer, denen Gliedmaßen amputiert werden mussten, sagt der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands für Orthopädietechnik, Norbert Stein. Das Familienunternehmen „Ottobock“, das seinen Hauptsitz seit 1947 im südniedersächsischen Duderstadt hat, gilt als einer der Weltmarktführer in der Prothesen-Technik, die längst eine Hightech-Branche geworden ist.

So stellt das Unternehmen zum Beispiel das C-Leg her, eine mikroprozessor-gesteuerte Beinprothese. Damit konnte Alex Zanardi wieder Rennen fahren – dem früheren italienischen Formel-1-Piloten waren nach einem schweren Unfall auf dem Lausitzring 2001 beide Beine oberhalb der Knie amputiert worden. Mit einem C-Leg, das rund 28 000 Euro kostet, wurden nach Firmenangaben weltweit bereits weit mehr als 70 000 Menschen versorgt.

Als „Ottobock“ im Gründungsjahr aus dem politisch unruhigen Berlin nach Königssee in den Thüringer Wald umzog, lagen Hightech-Produkte in weiter Ferne. Damals ging es eher um die Herstellung von Holzbeinen. 1947 zog die Firma nach der Enteignung in der damaligen Sowjetzone erneut zwangsweise um, Max Näder, der Schwiegersohn des Gründers, fing in Duderstadt neu an.

1990 übernahm Hans-Georg Näder, Enkel des Gründers, die Leitung des Unternehmens, das von rund 1400 Beschäftigten auf aktuell gut 7000 Mitarbeiter an mehr als 50 Standorten gewachsen ist. Gründerenkel Näder selbst gehört nach Recherchen des Wirtschaftsmagazins „Bilanz“ mit einem geschätzten Vermögen von 2,3 Milliarden Euro zu den reichsten Menschen Niedersachsens.

Die rasante technologische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte brachte auch der Prothesenherstellung einen Schub: Die Technik der Produkte habe inzwischen ein derart hohes Niveau erreicht, dass manche Prothesen praktisch durch Gedanken gesteuert werden könnten, erläutert Stein. So entwickelte „Ottobock“ unter anderem eine Orthese, die Menschen mit gelähmten Beinen das Laufen ermöglichen soll.

Bei Arm- und Beinprothesen ist das Unternehmen aus Niedersachsen nach Angaben des Spectaris-Verbandes der Hightech-Industrie Weltmarktführer. Nach einer Marktanalyse des Beratungsunternehmens Technavio wird der weltweite Markt für Prothesen von 1,78 Milliarden Dollar bis 2021 auf geschätzte 2,19 Milliarden Dollar Umsatz wachsen. „Ottobock“ gehört dabei neben Blatchford (GB), Fillauer (USA), Össdur (Island) und Ohio Willow Wood (USA) weltweit zu den Top 5.

Die Wachstumsaussichten der Orthopädietechnik-Branche sind auch nach Einschätzung des Innungsverbandes gut: Die Zahl der Menschen, die eine Hightech-Prothese benötigten, werde angesichts der zunehmend älter werdenden Bevölkerung weiter steigen, sagt Stein. Sein Firmenjubiläum feiert „Ottobock“ am kommenden Montag mit einem Festakt, zu dem sich auch Kanzlerin Angela Merkel als Gast angekündigt hat.

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