DüNGSTRUP - Neue Wege bei der Energieerzeugung gehen die Landwirte in Düngstrup: Für ihre Biogasanlage mit einer Leistung von 500 kW setzt die Betreibergemeinschaft Behrens/Gramberg/Debbeler/Hespe-Meyer nun auch geschredderte Zuckerrüben als Gärsubstrat für die Fermentation ein. Das eingespeiste Pflanzenmaterial habe ein hohes Energiepotenzial, erläuterte Gerd Hespe-Meyer.

Der so genannte Erdanhang galt bislang als Ausschlusskriterium für den Einsatz von Zuckerrüben in Biogasanlagen. Daher stellt die Firma KWS Saat AG aus Einbek den Bauern eine Rüben-Waschanlage zur Verfügung. Die Maschine kam am Donnerstag erstmals in Düngstrup zum Einsatz. Sie sei inzwischen bundesweit gefragt, sagte KWS-Beratungsstellenleiter Fritz-Jürgen Lutterloh. Gemeinsam mit der Rübenvermarktung Hunte-Weser GmbH in Bassum hatte das Unternehmen mehr als 400 Betreiber von Biogasanlagen angeschrieben und die Potenziale der Rübe erläutert.

Ein gut sechs Hektar großes Feld wurde abgeerntet, berichtete Landwirt Andreas Debbeler. Etwa 70 Tonnen Zuckerrüben werden vor Ort gewaschen und entkernt. Die Früchte müssen durch zwei Trommeln: Zuerst bewegen große Paddel die Rüben in einer Waschtrommel; anschließend werden sie entsteint. Erde und Steine fallen in extra aufgestellte Container. „Das läuft sehr gut“, freut sich Debbeler. Die gesäuberten Rüben landen zunächst im Silo, wo sie luftdicht verpackt werden.

Auch Hespe-Meyer zeigt sich überzeugt: „Die Landwirte suchen dringend nach einer Alternative zum Mais – allein schon aus Gründen der Fruchtfolge.“ Fachleute wiesen darauf hin, dass das Material Leistungsschwankungen aus dem „Grundfutter“ der Biogasanlage gut ausgleichen könne. Hespe-Meyer geht davon aus, dass dank der Rüben die Leistung der Altanlage steige. Die Methankonzentration des Biogases steige bei entsprechendem Mischanteil um gut zwei Prozent. Mittelfristig könnten die Düngstruper Landwirte sogar ein neues Wärmekonzept umsetzen. Die ersten geschredderten Rüben sind bereits im Fermenter. „Wir gehen das langsam an“, so Hespe-Meyer.

Das Einbeker Unternehmen KWS, eigentlich als Saatgut-Spezialist in der Branche bekannt, ist von der schnellen Umsetzung ebenfalls überzeugt. „Die Zuckerrübe liefert die Energie sozusagen auf dem Silbertablett“, meint Lutterloh. Künftig werde man echte „Energierüben“ züchten, die speziell für den Einsatz in Biogasanlagen verwendet werden und nicht in der Zuckerfabrik landen. Lutterloh: „Wir testen derzeit mehrere Sorten, die aber noch nicht marktreif sind.“ Unterm Strich hoffe man, so auch mehr Akzeptanz bei den Bürgern für alternative Energiekonzepte zu bekommen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent