Düsseldorf/Damme - Ausgerechnet zur Grillsaison wird Schweinefleisch in Deutschland wohl teurer. Die Erzeugerpreise für Schlachtschweine seien in den vergangenen Monaten um rund 30 Prozent gestiegen, sagte jetzt Mechthild Cloppenburg von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI). Ein solcher Anstieg schlage erfahrungsgemäß auch auf die Endverbraucherpreise durch. Da Schweinefleisch auch in den nächsten Monaten knapp bleiben werde, seien sogar weitere Preissteigerungen wahrscheinlich.

Einer der Hauptgründe für die Entwicklung ist laut AMI der durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) verursachte starke Rückgang in der chinesischen Schweineproduktion. 250 Millionen Schweine mussten dort in Folge der ASP getötet werden. Das ist ein Drittel. China muss deshalb weltweit im großen Stil Schweinefleisch zukaufen.

Hinzu kommt, dass in diesem Jahr die Schweineproduktion in Europa ohnehin rückläufig ist. Dies ist eine Reaktion auf die niedrigen Preise im vergangenen Jahr.

Weiteres Problem: Es gibt hierzulande immer weniger Sauenhalter. In Niedersachsen etwa sind es aktuell noch 1750. Im Jahr 2010 waren es fast doppelt so viele. Um 100 000 reduzierte sich die Zahl der Sauen auf jetzt noch rund 470 000. Die Nachfrage nach Ferkeln können sie nicht mehr decken. Folglich erhöht sich Woche für Woche der Preis. Jetzt wird er (für 25-kg-Ferkel) bei 64 Euro notiert. Im Süden Deutschlands werden gar schon 67 Euro gezahlt.

Die Sauenhalter haben bittere Zeiten hinter sich. Im Herbst wurden gerade einmal 28 Euro gezahlt. Seither ist der Preis sogar im Norden um fast 130 Prozent gestiegen.


Der Schlachtschweinepreis ist seit Jahresbeginn nach Angaben des AMI um 43 Cent auf 1,80 Euro pro Kilogramm gestiegen. Beispiellos ist dieser Preis allerdings nicht. Zuletzt war dieses Preisniveau im Sommer 2017 erreicht worden. Doch ist ein Ende der Entwicklung nicht in Sicht. „Die Reduzierung der Sauenbestände wird sich im Verlauf des aktuellen Jahres noch verstärken“, prognostizierte das AMI. „Hohe Schweinepreise dürften weiterhin den Markt dominieren.“

Dirk Klusmeier, Obermeister der Fleischer-Innung Westfalen Mitte, betonte, dass Schweinefleisch in den Geschäften knapp werde, sei zwar nicht zu erwarten. Allerdings müssten die Fleischereifachgeschäfte die erhöhten Preise an ihre Kunden weitergeben. „Für 2019 müssen sie sich bei Qualitätsfleisch – zum Beispiel auch bei Produkten wie Schnitzel, Wurst oder Grillfleisch – auf höhere Preise einstellen.“

Zugleich bedeutet der hohe Schweinepreis auch eine finanzielle Last für die mittelständisch geprägten Schlachtbetriebe. Denn diese Schlachtschweinepreise können von denen nicht refinanziert werden, die keine China-Lizenz haben. So warnte der Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) mit Sitz in Damme, dem Ort im Kreis Vechta mit dem mit über 300 000 Tieren bundesweit höchsten Schweinebestand, Matthias Quaing, vor „existenziellen Schwierigkeiten“ der Fleischverarbeiter. Denn die Schlachter haben mit dem Lebensmittelhandel schon vor Monaten auf der Grundlage deutlich niedriger Schweinepreise ihre Kontrakte über Wurst- und Fleischlieferungen abgeschlossen.

Die Rechnung gehe am Ende nur auf, wenn der Lebensmitteleinzelhandel die steigenden Preise möglichst umgehend an den Verbraucher weitergibt. „Ansonsten wird der Strukturwandel in der Fleischwirtschaft 2019 noch einmal spürbar angeheizt,“ fasst Quaing das aktuelle Kernproblem zusammen.