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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Internet kein Schnäppchen-Paradies mehr

09.10.2019

Düsseldorf Am Anfang war das Internet der Traum eines jeden Schnäppchenjägers. Wenige Klicks genügten, um den besten Preis für das gewünschte Produkt zu finden – und das Angebot der Onlinehändler lag in aller Regel deutlich unter dem Preis im Laden nebenan.

„Aber das ist Vergangenheit“, urteilt der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Den günstigsten Preis für das gewünschte Produkt zu finden ist oft mühsam – und oft verhilft inzwischen nur noch ein alter Trick zum besten Angebot: das klassische Feilschen mit dem Händler vor Ort.

„Die Verbraucher merken selbst, dass der Preisvergleich im Internet schwieriger geworden ist. Wenn man sie heute fragt, ist online einkaufen billiger, ist die Antwort oft: Nein“, sagt Heinemann. „Aus der vollkommenen Preistransparenz im Internet ist die völlige Intransparenz geworden, weil die Unternehmen alle nach Wegen suchen, aus der Preisvergleichbarkeit herauszukommen – etwa durch ständige Preisveränderungen, durch schwer durchschaubare Gebühren oder Exklusivangebote.“ Heinemann spricht von „Vernebelungstaktiken“.

Der Grund dafür ist einfach. „Preistransparenz ist für den Kunden gut, für den Verkäufer nicht“, so Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH/Köln). Denn sie führt oft zu einer Preisspirale nach unten und lässt die Gewinne der Unternehmen schrumpfen.

Viele Kunden machen es den Händlern indes auch einfach. „Die Verbraucher nutzen das Internet heute nicht mehr so intensiv für Preisvergleiche wie früher. Den meisten reicht heute ein Blick auf das Amazon-Angebot. Das wird dann als fairer Preis akzeptiert“, beobachtet Hudetz. „Sie wissen, dass sie irgendwo vielleicht noch einen günstigeren Preis finden als bei Amazon. Aber sie akzeptieren den möglichen Aufschlag, weil sie das Gefühl haben, dort gut aufgehoben zu sein.“

Dabei kommt die Bequemlichkeit die Kunden oft teuer zu stehen. Stichproben der Verbraucherzentrale NRW kamen zu dem Ergebnis, dass die Händler häufig ihre Produkte auf dem Amazon-Marktplatz teurer anbieten als im eigenen Shop. „Es galt die Produkt-Faustregel: ein Händler – zwei Preise. Und bei 98 der 100 Produkte fand sich der niedrigste Preis im Händler-Shop“, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Die Mühe eines Preisvergleichs kann sich also lohnen. Zur Wahrheit gehört indes auch: Die wirklich großen Erfolgserlebnisse für Schnäppchenjäger sind seltener geworden. „Preisvergleichsportale haben vielfach an Bedeutung verloren, nicht zuletzt, weil die Preisunterschiede im Internet heute zumindest bei den seriösen Anbietern nicht mehr so groß sind wie früher“, meint Hudetz.

Wer wirklich ein Schnäppchen machen will, sollte deshalb überlegen, ob er sich nicht besser auf eine Sparstrategie besinnt, die so alt ist wie der Handel selbst: Das Feilschen. Heinemann: „Der Kunde kann im Internet nicht über den Preis verhandeln. Im Laden kann er das – und er tut es auch immer öfter. Dadurch kommen im Endeffekt tatsächlich oft günstigere Preise heraus als im Internet.“

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