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Einzelhandel Dunkle Wolken über Aldi-Imperium

Erich Reimann

Düsseldorf - Mächtig und verschwiegen: So präsentierte sich jahrzehntelang Deutschlands größter Discounter Aldi der Öffentlichkeit. Doch das ist Vergangenheit. Ein erbitterter Familienstreit in der Albrecht-Dynastie erlaubt in diesen Tagen ungewohnte Blicke hinter die Fassade des sonst so verschlossenen Handelsriesen und wirft ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Wege, die die beiden unabhängigen Teile des Discounterimperiums – Aldi Nord und Aldi Süd – in den vergangenen Jahren gegangen sind.

Für Schlagzeilen sorgt dabei zur Zeit vor allem der Sohn des Aldi-Nord-Gründers, Theo Albrecht jr.. Er wirft der Witwe seines 2010 gestorbenen Bruders Berthold in harschen Worten vor, mit ihren Bemühungen um mehr Einfluss auf die Familienstiftung dem letzen Willen ihres Mannes zuwiderzuhandeln und damit dem Unternehmen zu schaden. „Mein Bruder würde sich im Grab rumdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft“, schimpfte der Unternehmer in einem Interview.

Witwe wehrt sich

Die Witwe Babette Albrecht und ihre Kinder weisen den Vorwurf, gegen den Unternehmenssinn zu handeln, nach Angaben ihres Anwalts entschieden zurück.

So oder so: Der öffentliche Streit im Hause Albrecht, bei dem es auch um viel Geld geht, passt überhaupt nicht zum öffentlichkeitsscheuen Image, das die Aldi-Dynastie über Jahrzehnte pflegte. Und er kommt für Aldi Nord zu einer denkbar unpassenden Zeit. Denn schon vor den jüngsten Turbulenzen hat die Nordhälfte des Aldi-Reiches gegenüber dem Süden an Boden verloren.

Denn was viele Aldi-Kunden gar nicht wissen: „Den Aldi“ gibt eigentlich gar nicht. Die Firmengründer Karl und Theo Albrecht teilten den gemeinsam aufgebauten Billiganbieter – der Name steht für Albrecht Diskont – schon in den 60er Jahren in zwei voneinander unabhängige Unternehmen auf: Aldi Nord für Theo und Aldi Süd für Karl.


Der Grund für die Aufspaltung ist bis heute unbekannt. Doch läuft seitdem der sogenannte Aldi-Äquator quer durch Deutschland. Die Stadt Essen etwa gehört zu Aldi Nord. Das benachbarte Mülheim an der Ruhr schon zu Aldi Süd. Und auch die Welt haben die Brüder später unter sich aufgeteilt. So gehören Frankreich, Belgien, Spanien und Polen zu Aldi Nord – Großbritannien, Australien, Österreich und die Schweiz zu Aldi Süd. Nur in den USA sind beide Unternehmen vertreten – Aldi Nord allerdings unter dem Namen Trader Joe’s.

Zwar arbeiten die Unternehmen bis heute an vielen Stellen eng zusammen, dennoch haben sie sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten deutlich auseinanderentwickelt. „Aldi Nord hält stärker als der Süden am klassischen Hard-Discount fest. Aldi Süd ist innovativer. Sie sind einfach mutiger, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren, und sie sind erfolgreicher“, beschreibt Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU die Unterschiede.

Beispiele für die Innovationsfreudigkeit gibt es viele: So ist es Aldi Süd, das bei der Aufnahme von Markenartikeln wie Coca-Cola, Lenor oder Pampers in die Aldi-Regale den Takt vorgibt. „Was erfolgreich ist im Süden, wird oft später von Aldi Nord übernommen“, meint Fassnacht.

Auch beim Ladendesign setzt Aldi Süd die Maßstäbe. „Die Märkte von Aldi Süd wirken moderner und freundlicher“, sagt Fassnacht.

Viele Unterschiede

Die Unterschiede zwischen den Schwesterfirmen spiegeln sich inzwischen auch in den Umsatzzahlen. Nach Schätzungen des Handelsforschungsinstituts EHI lagen die Umsätze von Aldi Süd in Deutschland im vergangenen Jahr mit 14,5 Milliarden Euro mehr als drei Milliarden Euro höher als die von Aldi Nord.

Und während bei Aldi Nord der Haussegen schief hängt, ist bei Aldi Süd die Welt noch in Ordnung. Wie in alter Zeit dringt kaum etwas aus dem Einzelhandels-Unternehmen nach außen.

Angesichts der glücklichen Hand, mit der Aldi Süd zurzeit agiert und der Turbulenzen bei Aldi Nord plädiert deshalb der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein für eine radikale Lösung: „Es würde sicher Sinn machen, wenn Aldi Süd Aldi Nord übernehmen würde.“

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