Horst - Es ist wie bei allen modernen Managern: Das Smartphone hat Jana Eilers immer griffbereit.Sie ist rund um die Uhr erreichbar, falls in ihrem Betrieb etwas schief läuft oder kurzfristig etwas abgeklärt werden muss. Über eine App kann sie auch aus der Ferne sehen, ob alle Geräte richtig arbeiten – und sogar, ob ihre wichtigsten „Mitarbeiterinnen“ gesund sind.
Jana Eilers ist Betriebswirtin. Aber nicht nur: Sie ist auch Landwirtschaftsmeisterin. Letzteres aus Leidenschaft. Zwar hätten ihre Eltern ihr und auch dem Bruder bei der Berufswahl freie Hand gelassen, sagt die 26-Jährige, „aber ich wollte nie etwas anderes, als in der Landwirtschaft zu arbeiten.“ Im Juli 2013, kurz nach dem Abschluss der Unternehmerschule Oldenburg, stieg sie in den Betrieb ihrer Eltern Hans-Gerd und Heike Eilers in Horst mit ein. Während sich die Eltern inzwischen vorrangig um die Bullenmast und die Aufzucht der Jungrinder kümmern, hat Jana im Kuhstall das Sagen.
In ihrer Ausbildung hatte sie auch bei einem Schweinemäster gearbeitet – doch da hatte Jana Eilers längst ihr Herz ans Milchvieh verloren. Und das in einer Zeit, in der Milchbauern eher noch Geld mitbringen müssen, als dass sie es erwirtschaften. „Man dreht an allen Stellschrauben und versucht gleichzeitig, die Haltung immer weiter zu verbessern“, beschreibt sie die Herausforderungen der Milchkrise. „Wir müssen jetzt einfach sehen, dass wir da durchkommen.“
Wenn die 26-Jährige von „wir“ spricht, dann meint sie nicht allein ihren Familienbetrieb. Im März wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der Junglandwirte im Kreislandvolkverband Oldenburg gewählt. „In so einer großen Gruppe können wir unsere Interessen besser vertreten und Ideen bündeln“, ist Jana Eilers überzeugt. Zudem biete der neu formierte Zusammenschluss Rückhalt – etwa wenn es darum gehe, neue Sichtweisen darzustellen und durchzusetzen.
Moderne Landwirtschaft ist mehr als bloße Lebensmittelproduktion – davon ist Jana Eilers überzeugt. Es gelte auch, Verbraucher aufzuklären. Die Junglandwirte wollen nicht im eigenen Saft schmoren, sondern sich gemeinsam fortbilden, andere Betriebe besuchen und vor allem Öffentlichkeitsarbeit betreiben.
Auch wenn die Rahmenbedingungen für die Milchviehhalter im Moment alles andere als rosig sind: Jana Eilers spricht von einem Traumjob, wenn sie den Blick über den Familienbetrieb schweifen lässt, den sie in der fünften Generation bewirtschaftet. Ihre Hoffnung, dass die Krise überwunden werden kann, hat ihre Familie vor nicht einmal einem Jahr untermauert, als sie in einen neuen Laufstall mit zwei Melkrobotern investierte.
120 Kühe – doppelt so viele wie im alten Stall – finden hier in zwei Gruppen Platz. Alles ist licht- und luftdurchflutet, die Tiere haben Liegplätze auf einem Strohgemisch. Demnächst möchte Jana Eilers ausprobieren, ob sich das vollautomatische Melken mit Weidegang kombinieren lässt.
Der jungen Landwirtin ist es wichtig, dass sich ihre Kühe wohlfühlen. Mehrere Stunden täglich verbringt sie im Stall, sogar von ihrem Schreibtisch aus hat sie die Tiere im Blick. Und wenn sie – zum Schlafen – dann doch einmal ins Haus geht, dann muss auch mal der Kamerablick in den Stall via Handy-App genügen.
