Oldenburg - Die Zukunft des Verkehrs liegt in der Elektromobilität und die Entwicklung hin zum Elektroauto bedeutet weit mehr als „nur“ einen neuen Antrieb und das Aufstellen von ein paar Ladesäulen. Darin waren sich die Experten am Mittwochmorgen beim neuen Vortragsformat „Talk im NWZ-Turm“ im Medienhaus in Oldenburg einig. „Unsere Strategie geht klar in Richtung Elektroauto“, sagte Olaf Schilgen, verantwortlich für Außen- und Regierungsbeziehungen sowie Zukunftstechnologien beim Autobauer VW, auf der Veranstaltung, die die NWZ mit ihrem Magazin „Die Wirtschaft“ gemeinsam mit dem Volkswagen Zentrum Oldenburg organisiert hatte. Dabei reiche es aber nicht aus, nur den Antrieb auszutauschen, vielmehr müsse man in der Produktion „ganz neu denken“.

Die bisherige Bauweise bei VW nach dem Modularen Querbaukasten (MQB) sei darauf ausgerichtet, mit vergleichsweise geringem Aufwand den jeweils passenden Antrieb – egal ob Verbrennungsmotor, Plug-In-Hybrid oder Elektromotor – einzubauen. Künftig werde es jedoch so sein, dass die Batterie in den Mittelpunkt des Autos rückt und im Fahrzeugboden positioniert wird. Dies ermögliche den Einbau größerer Batterien und damit auch mehr Reichweite, so Schilgen.

Zugleich verändere sich dadurch aber auch die ganze Architektur des Fahrzeugs. So werde der Radstand wesentlich größer, der Motorraum hingegen wesentlich kleiner, erläuterte Schilgen. „Diese technische Basis wird demnächst das neue Normal“, zeigte er sich überzeugt.

In Sachen Ladeinfrastruktur strebe VW gemeinsam mit anderen Autobauern eine europaweit einheitliche Lösung mit Schnellladesäulen an, sagte Schilgen. Für das Aufladen zu Hause sieht er die Zukunft in „Wallboxes“, Wandladestationen, mit denen die E-Autos etwa über mehrere Stunden in der Nacht aufgeladen werden können.

Dr. Jonas Lohmann, Leiter des Kompetenz-Centers Mobilität bei der EWE, sieht als weiteren zentralen Ansatz das Laden am Arbeitsplatz an. Da die Fahrzeuge hier meist über einen längeren Zeitraum unbenutzt abgestellt würden, biete dies sehr gute Möglichkeiten für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur. Für den Fuhrpark des Softwareriesen SAP habe EWE ein entsprechendes Konzept bereits erfolgreich umgesetzt.


Für Gabriele Nießen, Stadträtin in Oldenburg für Umwelt und Verkehr, ist die Entwicklung hin zum Elektroauto nur ein Baustein. „Die Mobilität und das Verständnis von Verkehr an sich wird sich in den nächsten Jahren komplett ändern“, sagte sie. Die Bürger würden sich „multimodal“ bewegen, mit Auto, mit Fahrrad, mit ÖPNV, mit Carsharing. „Welches Verkehrsmittel wähle ich für welchen Weg?“, werde die entscheidende Frage, so Nießen. Hieran müsse sich auch die Stadt bei der Erarbeitung ihres Mobilitätskonzepts orientieren.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft