Washington - Caterpillar hat mehrere Angestellte aus Liberia ausgeflogen. Canadian Overseas Petroleum hat ein Bohrprojekt auf Eis gelegt, British Airways Flüge in die Region gestrichen. ExxonMobil und Chevron warten, ob die Gefahr eingedämmt werden kann. Es ist offensichtlich: Der Ausbruch von Ebola, an dem bereits fast 1000 Menschen gestorben sind, macht Guinea, Sierra Leone und Liberia, den drei afrikanischen Ländern im Mittelpunkt der Krise, nun auch wirtschaftlich schwer zu schaffen. Die globale Wirtschaft und auch die gesamtafrikanische sind laut Experten zufolge bisher nicht betroffen.
„Wir müssen sicherstellen, dass es so schnell wie möglich unter Kontrolle gebracht wird“, sagt Olusegum Aganga, Handelsminister von Nigeria, das mittlerweile ebenfalls neun Ebola-Fälle bestätigt hat. „Wenn das geschafft ist, glaube ich nicht, dass es eine dauerhafte Auswirkung auf die Wirtschaft gibt.“
Die Weltgesundheitsorganisation hat den Ausbruch am Freitag zum internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Sie empfahl weder Reise- noch Handelsverbote. Aber sie riet jedem, der engen Kontakt mit einem Ebola-Patienten gehabt hat, von internationalen Reisen ab und machte sich für Gesundheitskontrollen auf internationalen Flughäfen und an Grenzübergängen stark.
„Wenn man einen verbreiteten Ausbruch von Ebola hat, kann man in Panik geraten“, sagt Afrika-Experte John Campbell von der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations. „Die Menschen gehen nicht zur Arbeit, im Ausland Lebende gehen fort, die wirtschaftlichen Aktivitäten verlangsamen sich. Felder werden nicht bebaut.“
Tatsächlich schätzt die Weltbank, dass das Wirtschaftswachstum in Guinea, wo die Krise im März begann, in diesem Jahr von 4,5 auf 3,5 Prozent schrumpfen wird. Ama Egyaba Baidu-Forson, Volkswirtschaftlerin beim Unternehmen IHS Global Insight, korrigiert ihre Wachstumsprognosen für Liberia und Sierra Leone nach unten.
Baidu-Forson befürchtet einen Preisanstieg, sollten Lebensmittel und andere Hauptwaren rar werden, und dass die bereits fragilen Regierungen in der Region im Kampf gegen Ebola große Haushaltsdefizite entwickeln könnten. Am Ende könnten die vom Ausbruch betroffenen Länder finanzielle Hilfe vom Internationalen Währungsfonds benötigen, warnt die Expertin.
Multinationale Unternehmen, die in der rohstoffreichen Region Geschäfte betreiben, reagieren derweil auf ihre Weise auf die Krise. Hier einige konkrete Beispiele:
- Caterpillar, Hersteller schwerer Baumaschinen mit Sitz in Peoria (US-Staat Illinois), hat nach Angaben von Sprecherin Barbara Cox „weniger als zehn Personen“ aus Liberia zurückgeholt. „Die Gesundheit und Sicherheit unserer Leute ist unsere Toppriorität...Wir werden die Situation weiter genau verfolgen“, hieß es in einer Mitteilung.
- Die Fluggesellschaft British Airways hat „wegen der sich verschlechternden Gesundheitslage“ die Flüge nach und von Liberia sowie Sierra Leone bis Ende August ausgesetzt.
- Tawana Recources, ein australisches Eisenerz-Unternehmen, hat nach eigenen Angaben „alle nicht unbedingt notwendigen Außenarbeiten in Liberia“ auf Eis gelegt und alle nicht notwendigen afrikanischen Arbeiter, Beschäftigten im Auslandseinsatz und Vertragsarbeiter nach Hause geschickt.
- Das Bergbau-Unternehmen African Minerals mit Sitz in London hat mit Gesundheitsüberprüfungen und Reisebeschränkungen für Mitarbeiter in der Region begonnen.
- Canadian Overseas Petroleum Ltd., im kanadischen Calgary beheimatet, hat seine Bohrarbeiten in Liberia gestoppt. Einige Mitarbeiter aus dem Ausland haben den Staat verlassen.
- ExxonMobil lässt seine Geschäftsstellen in der Region offen und „trifft Vorsorgemaßnahmen zur Gewährleistung der Gesundheit und Sicherheit“ seiner Mitarbeiter, wie es in einer Mitteilung heißt. Das Unternehmen hat Büros in Liberia, Nigeria und einer Reihe anderer afrikanischer Länder.
- Chevron, das eine Geschäftsstelle in der liberianischen Hauptstadt Monrovia hat und vor der liberianischen Küste nach Öl forscht, verfolgt laut eigenen Angaben „den Ausbruch von Ebola in Westafrika genau“. Ob konkrete Schritte ergriffen worden sind, dazu äußerte sich das Unternehmen nicht.
Nigerias Wirtschaft, die größte in Westafrika, ist bisher nicht betroffen, obwohl sich die Krankheit auf das Land ausgebreitet hat. „Es hat Handel nicht gestoppt, das Kaufen nicht gestoppt“, sagt Topmanager Danladi Verheijen von der Investment-Firma Verod Capital. „Die Flüge nach Nigeria gehen voll weiter.“
Timi Austen-Peters, Chef des nigerianischen Ingenieur-Unternehmens Dorman Long, traf am Freitag in Washington mit Investoren zusammen, die an Afrika interessiert sind. Ebola, so sagte er, spielte in dem Gespräch keine Rolle. „Wir hatten eines gutes altmodisches Geschäftstreffen“, sagt er. „Sie waren in keiner Weise aufgeschreckt.“
