ECKWARDEN - „Immer wenn wir zu einem Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen gerufen werden, ist dies mit viel Leid verbunden“, stellte Butjadingens stellvertretender Gemeindebrandmeister Dietmar Wiggers fest. Deshalb sei es gut und wichtig, dass 30 Feuerwehrleute der vier Butjadinger Ortswehren beim eintägigen Seminar „Patientengerechte Unfallrettung“ noch einmal ihr Wissen und ihr Können aufgefrischt sowie neue Handgriffe und Tricks gelernt hätten.
Die ständige Ausbildung in den Ortsfeuerwehren und dieses Seminar würden den Rettern Sicherheit an der Einsatzstelle geben, was wiederum den Unfallopfern zugute komme, so Wiggers. Zwar steht die Unfallrettung regelmäßig bei den Butjenter Feuerwehren auf dem Dienstplan. Aber gerade bei der Sicherheitsentwicklung in den Fahrzeugen legt die Automobilindustrie ein so großes Tempo vor, dass die Feuerwehren bei der Ausbildung nur schwer Schritt halten können. Deshalb hatte Eckwardens Ortsbrandmeister Frank Linneweber die Idee des Seminars entwickelt.
Und damit steht er nicht alleine da, denn dieses Seminar ist bundesweit schon langfristig ausgebucht, was auch für die Qualität der Ausbilder spricht. Klaus Krebs, Bernd Fetzer und Dennis Wolf sind in Feuerwehr- und Rettungsdienstkreisen anerkannte und begehrte Ausbilder. Zunächst standen im Saal des Eckwarder Hofs drei theoretische Lehrstunden auf dem Plan, in denen noch einmal Einsatzregeln und Taktik bei Verkehrsunfällen besprochen wurden.
Im praktischen Teil standen die Teilnehmer vor drei unterschiedlichen Einsatzsituationen: Ein Fahrzeug lag auf dem Dach, ein weiteres auf der Seite und das dritte Auto war sozusagen vor einen Baum gefahren. In drei Gruppen entwickelten die Butjenter Retter ihre eigenen Strategien, um die „Verunglückten“, dargestellt mit Puppen“, aus dem Fahrzeuginneren zu befreien. Dabei standen die Ausbilder mit Rat und Tat und vielen kleinen und großen Tipps zur Seite.
Liegt ein Fahrzeug auf dem Dach, sei es enorm wichtig, eine kopfüber im Sicherheitsgurt hängende Person schnell in eine horizontale Lage zu bringen noch bevor die eigentliche Rettung beginne, so Bernd Fetzer. Ansonsten drücken das Blut zu lange in den Kopf und die inneren Organe zu lange nach oben in den Brustkorb. Mittels Schaufeltrage wurde die Puppe dann in eine waagerechte Position gebracht, so dass ein Notarzt sie hätte versorgen können. Im realen Einsatz aber eine belastende Arbeit für die Retter, denn sie müssen dabei die ganze Zeit im Fahrzeug Schulter an Schulter mit der verletzten und vielleicht sogar entstellten Person arbeiten.
Dass zur Personenrettung nicht immer das Dach eines Autos abgeschnitten werden muss, war auch Gegenstand der Ausbildung. Es gebe Methoden, die häufig einfacher und schneller seien. So wurden die Vorder- und die Hintertür mit samt der mittleren Säule zu einer großen „Befreiungsöffnung“ aus dem Fahrzeug herausgeschnitten und –gerissen. Gerade wo Bauteile verarbeitet sind, die nicht mehr mit den herkömmlichen Geräten getrennt werden können, biete sich diese Technik ab. Allerdings gebe es kein Patentrezept für alle Einsätze. Der Erfolg hänge auch immer von der Kreativität der Einsatzkräfte ab, so die Ausbilder.
