ECKWARDEN - In der Marsch gibt es keinen Wald? In die Marsch gehört kein Wald? Doch! Das hat der Butjenter Fritz Wiechmann (67) für sich entschieden – und eine drei Hektar große landwirtschaftliche Fläche am Rande seines Heimatdorfes Eckwarden gekauft und aufgeforstet.

„Meine Familie ist 1612 im Eckwarder Kirchenbuch erstmals erwähnt, da kommt man nicht so schnell darauf“, gesteht Marschenbewohner Wiechmann ein. Warum hat ihn dennoch das Projekt Wald gepackt? „Ich wollte mich am Naturschutz beteiligen, meine Umwelt lebenswerter gestalten. Und ich habe eine sinnvolle Aufgabe als Rentner gesucht, nachdem ich 45 Jahre auf dem Bau gearbeitet habe.“

Der Zimmermeister und Hochbautechniker, der sich auch für Stahlbetonbau qualifizierte, hatte sich 1981 selbstständig gemacht. 2002 gab er seinen Betrieb auf.

In zwei Abschnitten im Frühjahr und im November 2006 entstand am Spiekerweg seine Aufforstung. Rat hatte sich Wiechmann zuvor auch von der Landwirtschaftskammer geholt. Ein Gutachter hatte Bodenproben genommen, das Forstamt einen Pflanzplan erstellt. Eine Baumschule aus Beverstedt hatte vom Forstamt den Auftrag für Lieferung und Pflanzung erhalten. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden, auch mit dem Landkreis wegen der Genehmigung, war und ist hervorragend“, freut sich Fritz Wiechmann.

So gelangten 13 300 etwa 60 Zentimeter hohe Eichen und 5100 junge Eschen sowie einige Vogelkirschen, Wildbirnen, Winterlinden und Feld-Ulmen in den schweren Marschboden. Auf Empfehlung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rundet ein fünf Meter breiter Pflanzstreifen mit Haselnuss-Sträuchern, Weißdorn, Pfaffenhütchen und Schlehen den Wald ab – als Lebensraum für Insekten und Kleinlebewesen.


Auf die drei Hektar kamen insgesamt 26 770 Bäumchen und Sträucher. „Das ist ein Nutzwald, der erste und bisher einzige in der Gemeinde. Aber der erste Einschlag wird erst in 30 bis 50 Jahren möglich sein,“ sagt der 67-Jährige, der zwei Kinder und zwei Enkel hat. „So einen Wald pflanzt man nicht für sich, sondern für die nächste und übernächste Generation.“

Wird Wiechmann nicht ungeduldig? „Ich bin erstaunt, dass alles so schnell wächst. Vor drei Jahren waren die Bäumchen 60 Zentimeter hoch, jetzt sind viele schon zwei bis zweieinhalb Meter.“ In 20 Jahren dürften sie zehn Meter hoch und der Wald zugänglich sein. „Das wird ein Erlebnis für Besucher, mitten in der Marsch durch diesen Wald zu laufen.“

Zu tun hat der Eckwarder damit genug. „Im Fühjahr und Herbst müssen die Bäume beschnitten werden, damit es keine Büsche werden. Sieben bis acht Jahre nach Pflanzung muss ausgelichtet werden.“ Nach Verlusten durch Trockenheit und Mäusefraß sind 3000 Bäumchen nachgepflanzt worden.

Zum Schuz vor Rehwild mussten die drei Hektar eingezäunt werden. Mit Maschendraht – so groß, dass Hasen durchschlüpfen können. Auch viele Enten und Fasane finden hier besten Schutz.

Auf Wunsch der unteren Naturschutzbehörde hat Fritz Wiechmann zudem einen 200 Quadratmeter großen Teich als Biotop angelegt, der nur von Regenwasser gespeist wird. 20 Graskarpfen hat er reingesetzt. „Die fressen Kraut und Gras und halten den Teich sauber.“

Dieser Wald in der Marsch ist für Fritz Wiechmann „eine schöne Aufgabe, weil ich die Natur liebe. Im Frühjahr und Herbst bin ich fast täglich mehrere Stunden dort tätig.“ Doch der umtriebige Rentner kennt auch Stunden der Muße: „Man muss ja nicht immer arbeiten, es reicht auch, anzusehen und zu erleben, wie Natur sich entwickelt.“

80 000 Euro in nachhaltiges Projekt investiert

Fritz Wiechmann hat viel Geld in sein Wald-Projekt am Rande des Dorfes Eckwarden gesteckt. „Das ist kein Hobby, das ist auf Nachhaltigkeit angelegt.“ Alleine für Pflanzen hat er 36 500 Euro ausgegeben. Einschließlich Grundstückskauf hat er 80 000 Euro investiert.

Für diese Erstaufforstung landwirtschaftlicher Flächen hat Wiechmann von der Landwirtschaftskammer eine Förderung von 20 410 Euro bekommen, abzüglich 1780 Euro Verwaltungsgebühr. Jedes Jahr bekommt er pro Hektar eine Pflegeprämie von 175 Euro.

Mehrmals im Jahr überprüft das Forstamt Oldenburg ordnungsgemäße Pflege und Bewirtschaftung.

80 000 Euro in nachhaltiges Projekt investiert