EDEWECHT - Die Gemeinde Edewecht ist um eine Attraktion reicher. Am Sonntag wurde am Ortsausgang an der Vehne in Süd-Edewecht das Industriedenkmal „Edewechter Helgen“ eingeweiht. In Anwesenheit vieler Schaulustiger wurde dabei die Edewechter Werftenvergangenheit lebendig.

In zweijähriger Arbeit schufen die Künstler Dr. Klaus Groh (Klein Scharrel) und Dieter Suhr (Delfshausen), die handwerklich durch örtliche Betriebe unterstützt wurden, den vorderen Teil eines Schiffsrumpfes, der maßstabsgerecht einem Muttschiff nachgebaut wurde. Diese Wasserfahrzeuge wurden vor gut 150 Jahren auf den 15 Werftplätzen nördlich der Vehne hauptsächlich gebaut und auf Kanälen eingesetzt. Dass damals aber auch hochseetaugliche Schiffe vom Stapel liefen, bewies Kapitän Kuper. Mit einem Schiff der Werft Tönjes-Deye segelte er 1876 von Edewecht bis nach Australien.

Mit dem Industriedenkmal „Edewechter Helgen“ wurde das dritte Denkmal des Projektes „Vergessene Orte“ eingeweiht, das vom Kunstpfad Ammerland initiiert wurde. Ziel ist es, vergessene Orte und Plätze ins Gedächtnis zurückzurufen, wie Staatssekretär Thomas Kossendey betonte, der zugleich in seiner Funktion als Vertreter der Oldenburgischen Landschaft, gekommen war. „Mit diesen Denkmälern sollen vergessene Orte dem Vergessen entrissen werden.“

Das Denkmal in Süd-Edewecht, nur wenige Meter vom früheren Gelände einer Werft entfernt, „soll an die Zeiten erinnern, als das Schiffszimmerhandwerk hier zu Hause war“, hob Bürgermeisterin Petra Lausch die Bedeutung des Denkmals hervor. Nicht nur aus ihrer Sicht sei es ein besonders gelungenes industriegeschichtliches Werk.

Zur Realisierung trugen aber nicht nur die beiden Künstler, sondern auch die vier Edewechter Firmen Blancke, Eiskamp, Haskamp und Wiechmann bei. Finanziert wird das Projekt „Vergessene Orte“ durch die Kunst- und Kulturstiftungen der Landessparkasse zu Oldenburg, der EWE, der Öffentlichen und der Oldenburgischen Landschaft. Abgeschlossen sei das Projekt erst dann, wenn in jeder Ammerländer Gemeinde mindestens ein Denkmal an einen wichtigen Ort oder Platz erinnere, der in Vergessenheit geraten sei, so der Leiter des Projektes, Wolfgang Hase.


„Mit diesem großen und spannenden Projekt wird die Geschichte am Zuklappen gehindert“, machte der stellvertretende Landrat Dr. Georg Kolbow die Notwendigkeit von Denkmälern deutlich. Das verwendete Material Corten-Stahl, eine Kupfer-Stahl-Mischung, wobei der Rost als Schutzschicht dient, wird dazu beitragen, so die beiden Künstler, dass dieses Denkmal lange erhalten bleibt.

Wegen seines großen Engagements bei der Verwirklichung des Projekts wurde Volker Frahmann (Firma Blancke) zum Ehrenmitglied des Kunstpfades Ammerland ernannt. Passend zur Einweihung des Industriedenkmals Edewechter Werften sorgte der Shantychor Friedrichsfehn für die musikalische Untermalung.