EDEWECHT - Die Diagnose des Arztes traf Gerold von Aschwege unvermittelt. „Wir haben bei Ihnen Anzeichen für Multiple Sklerose (MS) festgestellt, sagte er zu mir“, erinnert sich der Edewechter an die Worte des Arztes, die ihm noch Tage danach in den Ohren hallten und den bis dahin vitalen Mann in einen Schockzustand versetzten. Rund 16 Jahre ist das her. Heute sitzt der 61-Jährige im Rollstuhl.
Die geistige Vitalität hat sich der gelernte Zimmermann und Krankenpfleger trotz des Schicksalsschlages bewahrt. Seit Jahren setzt sich der Schwerkranke in der Öffentlichkeit für die Interessen Behinderter ein. So leitete der gebürtige Klein Scharreler Jahre lang die MS-Kontaktgruppe Ammerland. Als er nun vom Edewechter VdK-Ortsvorsitzenden Ewald Bruns als Vertreter der Gemeinde Edewecht für den künftigen Seniorenbeirat im Kreistag vorgeschlagen wurde, war es für ihn keine Frage: „Da mache ich selbstverständlich mit“, so Gerold von Aschwege. Für ihn ist der neue Job eine große Herausforderung. „Gerade im Behindertenbereich liegt noch viel im Dunkeln, viele Menschen mit Behinderungen verstecken sich und scheuen sich Ansprüche zu stellen“, sagt der Edewechter. Deshalb sei es wichtig, dass man diesen Menschen mit dem neu geschaffenen Beirat nun ein Sprachrohr gibt, um auf Missstände hinzuweisen und diese etwa bei künftigen Projekten durch eine behindertengerechte Planung zu verhindern.
„Es gibt im Ammerland immer noch viele Bürgersteige und Gehwege, die in schlechtem Zustand sind und zum Beispiel für Rollstuhlfahrer eine Zumutung darstellen“, weiß Gerold von Aschwege. Ein abschreckendes Beispiel in diesem Zusammenhang für ihn auch der Bahnhof in Ocholt, der noch nicht einmal eine Rampe für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit ihren Kinderwagen bietet. „In solchen Fällen bittet die Bahn Behinderte darum, ihren Reisewunsch vorab anzumelden, damit dort eine transportable Rampe aufgestellt wird“, berichtet der Ammerländer.
Der 61-Jährige wünscht sich mehr Normalität im Umgang von Behinderten und Nichtbehinderten: „Wir Menschen mit Behinderungen brauchen kein Mitleid, wir brauchen Mitspracherechte.“
