EDEWECHT - Seit 1926 gibt es die Landschlachterei. Damals wie heute wird auf eine hervorragendee Qualität der Waren viel Wert gelegt.

Von Doris Grove-Mittwede

EDEWECHT - „Wir sind reich“, sagt Rainer Ströcker, lacht und fügt hinzu: „Reich an Arbeit. Aber das ist ja in allen kleinen Handwerksbetrieben so. Das Wichtigste aber ist, dass einem die Arbeit Spaß macht und uns macht das Herstellen hochwertiger Lebensmittel sehr viel Spaß.“ „Uns motiviert es immer wieder aufs Neue, wenn unsere Kunden mit unseren Produkten zufrieden sind“, ergänzt Hildburg Ströcker.

Rainer Ströcker und seine Frau Hildburg führen die Landschlachterei und Räucherdiele Georg Meinen. Hochwertige Wurst- und Fleischwaren, darunter auch Ammerländer Schinken, sind die Markenzeichen des Handwerksbetriebes, deren Kundschaft zu 90 Prozent aus Stammkunden besteht. Bei Qualitätsprüfungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), die ihr DLG-Gütesiegel für Produkte hoher Qualität vergeben, wurden Wurst- und Fleischwaren aus Edewecht vielfach prämiert. „Außerdem wurden wir 1997 von der Zeitschrift ,Der Feinschmecker’ unter die 20 besten Fleischereien Deutschlands gewählt. Darauf kann man schon stolz sein“, ergänzt Sohn Thomas, der den Betrieb mit seinen acht Mitarbeitern bald übernimmt.

„Natürlich schlachten wir noch selbst, allerdings nur Rinder“, berichtet Rainer Ströcker. Ganze geschlachtete Schweine würden angeliefert und das Schweine- und Rindfleisch auf vielfältige Weise weiterverarbeitet. Dabei würden nur Naturgewürze und keine Zusatzstoffe verwendet.

„Qualität ist für uns das A und O, und weil wir hohe Ansprüche an unsere Arbeit stellen und mit Idealismus tätig sind, konnten und können wir uns im immer härter werdenden Wettbewerb behaupten“, sagt Hildburg Ströcker, Tochter des Firmengründers. Dass die 65-Jährige die elterliche Schlachterei einmal übernehmen würde, sei nicht geplant gewesen. „Ich besuchte als Jugendliche die Handelsschule und habe früher bei der Sparkasse gearbeitet“, sagt die dreifache Mutter.


Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Hildburg Ströckers Vater Georg Meinen am Logenweg in Nord-Edewecht ein Gebäude mit Wurstküche, Verarbeitungsraum und Wohnung gebaut. „Bis 1945 wurde nur im Winter geschlachtet“, sagt Hildburg Ströcker, und Dauerwurst, Schinken und Speck mussten den ganzen Sommer halten. Nach dem Kriege habe man dann das ganze Jahr hindurch geschlachtet und gewurstet.

Im Schlachthaus am Logenweg wurde später ein kleiner Laden eingerichtet, den von 1954 bis 1957 Hildburg Ströckers Schwester Else und deren Mann Thade Popken führten. Als das Paar sich in Hahn die Ammerländer Landschlachterei kaufte und aus Edewecht wegzog, begannen Hildburg Ströckers Eltern – unterstützt duch Tochter Elfriede – noch einmal von vorn. 1959 rissen sie die alte Schlachterei ab und bauten ein neues Haus mit modernem Laden und Schlachterei.

Im gleichen Jahr gab Hildburg Meinen ihre Banktätigkeit auf und begann im elterlichen Betrieb mitzuarbeiten, weil ihre Schwester Elfriede das Haus verlassen hatte, um den Landwirt Franz Tönjes-Deye zu heiraten. 1966 feierten Hildburg Meinen und Rainer Ströcker Hochzeit. Zwei Jahre zuvor hatte Georg Meinen die Landwirtschaft seinem Sohn Hans-Georg überschrieben; die Schlachterei wurde ein eigenständiger Betrieb, den die Ströckers nach dem Tod der Eltern – 1982 starb Georg Meinen, 1995 Hildburg Ströckers Mutter – vor elf Jahren übernahmen.

„Auch ich bin ein Seiteneinsteiger wie meine Frau und gelernter Bürobedarfskaufmann“, lacht der 64-jährige Rainer Ströcker, ein gebürtiger Kayhauser, der aufgrund seiner Heirat und des (schwieger-)elterlichen Betriebes ins Fleischerhandwerk wechselte. Der Fleischermeister engagiert sich auch als Lehrlingswart in der Fleischerei-Innung Ammerland; Sohn Thomas ist dort ebenfalls aktiv – als stellvertretender Obermeister.

Und was bringt die Zukunft? „Handwerksbetriebe haben heutzutage einen schweren Stand und Betriebe, die Lebensmittel herstellen, einen noch schwereren. Es ist einfach schade, dass hochwertige Lebensmittel in Deutschland nicht den hohen Stellenwert haben wie in anderen Ländern haben,“ sagt Hildburg Ströcker.