Edewecht - Fische: mäßig. Bodenorganismen: unbefriedigend. Wasserpflanzen: unbefriedigend. Das ist das versetzungsgefährdende Zeugnis, das die Ammerländer Wasseracht der Aue ausgestellt hat, die an Edewecht vorbei fließt. Zwar ist sie qualitativ das beste Gewässer im Ammerland, doch unter den niedersächsischen Hauptgewässern erreicht sie nur die Note Vier.
Maßnahmenkatalog erarbeitet
Im Zuge des integrierten Gewässerentwicklungsplans Aue (GEPL), in den Jahren 2014 und 2015 von der Ammerländer Wasseracht und einem Planungsbüro aufgestellt, wurde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, den Richard Eckhoff, Vorsitzender der Wasseracht, nun im Ausschuss für Landwirtschaft und Umweltschutz der Gemeinde Edewecht vorstellte.
Naturnahes Substrat Wenig Verbau Lebensraumtypische Gehölze Naturnahe Tiefenvarianz Auenanbindung mit Auenstrukturen und Auengewässern Eigendynamische Entwicklung Ökologisch verträgliche Gewässerunterhaltung
Fakt ist: Die Zielvorgaben für ein gutes ökologisches Potenzial (GÖP) der Aue werden nicht eingehalten (siehe Info-Box). Dies gilt für den Sauerstoffhaushalt und die Nährstoffverhältnisse ebenso wie für den chemischen Zustand im Mittellauf. „Insgesamt wird das Gewässer Aue als erheblich verändert eingestuft“, besagt das Gutachten unter dem Punkt „Bestandsaufnahme und Bewertung“.
Das hehre Ziel des inte-grierten Gewässerentwicklungsplans ist eine Renaturierung des Flusses, doch: „Ein Zustand von vor mehreren Hundert Jahren ist in einer Kulturlandschaft ohne weiteres nicht wiederherstellbar“, schränkte Richard Eckhoff ein. Und da liegt auch schon eines der zentralen Probleme:
Gesprächsangebote
Es gibt viele Gewässeranlieger mit unterschiedlichen Interessen. Deshalb hatte die Wasseracht für den 8. Januar 150 Anlieger zum Gespräch eingeladen. 80 waren gekommen. „Nicht alle waren begeistert, aber es gab auch keine massive Kritik“, resümiert Eckhoff. „Vier suchten gar umgehend das Gespräch.“ Und das ist es, was gewünscht wird: Für Gespräche, Vorschläge und Kooperationen ist die Wasseracht offen.
Doch wo liegen konkret die Probleme und wie lassen sie sich beheben? Für den Gewässerentwicklungsplan wurde die Aue in insgesamt acht Abschnitte eingeteilt – für jeden gibt es konkrete Vorschläge, wie sich die Aue dort natürlicher entwickeln könnte. Dabei geht es nicht nur um große Maßnahmen, sondern auch um solche, die einfach umzusetzen sind. Was zählt, ist vor allem der Kooperationswille der Anrainer, jedoch „auf freiwilliger Basis“, wie Eckhoff betont.
Störfaktoren für eine naturnahe Entwicklung der Aue bestehen einerseits in ihrer Begradigung. Über weite Strecken fließt sie schnurgerade durchs Land. Dies bedingt eine hohe Fließgeschwindigkeit, was zu Sohlerosionen (Abtragung des Flussgrundes) führt – ein Problem für Wasserpflanzen. Hier könnten als Strömungslenker Geschiebedepots, Totholzablagerungen und Lenkbuhnen Abhilfe schaffen, um die Sohle zu stabilisieren und ein natürliches Mäandrieren (Schlängeln) zu ermöglichen, was an der Prallhangseite (hier strömt das Wasser gegen das Ufer) des Flusses zu tolerierende Hangabbrüche hervorruft, an der Gleithangseite aber das Gewässer beruhigt und das Gedeihen von Pflanzen ermöglicht. Zudem sollten Weiden und Erlen wachsen können, um das Ufer zu befestigen.
Problem Abflussregelung
Nur müssten, um all dies zu ermöglichen, die Anwohner auf Teile ihres Landes verzichten, etwa um seichtere Uferbereiche schaffen zu können, sei es durch Flächentausch, Flächenkauf oder freiwillige Vereinbarungen ohne Eigentümerwechsel (Pacht oder Duldung von Entwicklungsprozessen mit Entschädigung). Ebenfalls ein deutlicher Störfaktor ist die Abflussregelung unter anderem des Zwischenahner Meers, dessen Wasserstand speziell bei Hochwasser durch ein Wehr reguliert wird.
Das größte Hemmnis sind die Finanzen, das Land Niedersachsen ist zuständig. „Manchmal bekommen wir Einzelmaßnahmen finanziert“, erklärt Richard Eckhoff, „doch der Osten des Bundeslandes hat bei der Förderung deutlich bessere Chancen“. Als Verband darf die Ammerländer Wasseracht nämlich z.B. keine Mitgliedsbeiträge in Projekte stecken. „Wir müssen Spenden sammeln und Klinken putzen“, so Eckhoff weiter. Aber er ist zuversichtlich: „Vielleicht sagen unsere Enkel mal, dass wir das gut gemacht haben.“
