EDEWECHT - Im Innenhof des Edewechter Alten- und Pflegeheims herrscht emsiges Treiben: An einem Hochbeet, das aus diversen, steinernen Kübeln aufgeschichtet wurde, sind Seniorinnen und Senioren und junge Leute damit beschäftigt, Kräuter zu pflanzen. Petersilie und Salbei, Majoran und Bohnenkraut, Melisse und Liebstöckel werden in den Boden des hüfthohen Beetes gesetzt. Jung unterstützt Alt, Alt unterstützt Jung – das ist das Motto dieses generationsübergreifenden Projekts. Manchmal hört man ein paar Wortfetzen auf Englisch oder Französisch oder aus anderen Sprachen und obendrein Plattdeutsch.
Weiteres IJGD-Projekt
Die jungen Leute zwischen 17 und 26 Jahren, die mit den Bewohnerinnen und Bewohner der gemeindlichen Einrichtung im Einsatz sind, stammen aus verschiedenen Ländern. Sie kommen aus Frankreich, Spanien, Polen, Tschechien, der Ukraine, der Türkei, Südkorea und den USA und nehmen in Edewecht an einem so genannten Workcamp (Arbeitseinsatz) der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) teil.
Wie Edewechts Bürgermeisterin Petra Lausch ausführte, arbeite die Gemeinde Edewecht mit dem Verein ijgd schon seit Jahren zusammen. Bislang seien es vor allem ökologisch ausgerichtete Workcamps (z.B. Baumpflanzaktionen) gewesen, die in Zusammenarbeit mit dem gemeindlichen Bauhof im Herbst für junge Leute aus aller Welt angeboten wurden. „Weil derzeit keine gemeindlichen Flächen aufgeforstet erden müssen, hat die Amtsleiterrunde der Gemeindeverwaltung nach einem neuen Betätigungsfeld gesucht und wir sind fündig geworden“, ergänzte Klaus Schweinberger, der als Amtsleiter im Edewechter Rathaus für den Bereich Arbeit und Soziales auch für das gemeindliche Alten- und Pflegeheim zuständig ist.
„Wir freuen uns sehr, dass die jungen Leute drei Wochen bei uns zu Gast sind und für viel Abwechselung im Alltag unserer Bewohner sorgen“, sagte Rena Riesener, Leiterin des Edewechter Alten- und Pflegeheims. Unter Federführung der Arbeits- und Beschäftigungstherapeutin Daniela Rose-Siemer habe man Generationen übergreifende Projekte für die jungen Leute und die Bewohner entwickelt. Dazu gehöre ein Hochbeet für Standard-Kräuter, wie man sie auch früher schon in der Küche verwendet habe.
„Wir möchten über dieses Hochbeet die Sinne und die Erinnerungen unserer Bewohner anregen“ erläuterte Daniela Rose-Siemer. Die Seniorinnen und die Senioren sollten Kräuter sehen, verfolgen, wie sich die Pflanzen entwickelten, sie berühren können, an ihnen riechen und von ihnen naschen können und erleben, wie die Kräuter später in der Küche des Altenheims z.B. beim Kräuterquark eingesetzt würden. Für die Kräuterverarbeitung wolle man neben dem Hochbeet auch noch zwei Wandtische bauen.
Doch das Kräuterprojekt ist nur eines. Wie Altenheimleiterin Rena Riesener ferner ausführte, solle auch die große, sanierungsbedürftige Vogelvoliere der Einrichtung, in der Ziervögel lebten, von den jungen Leuten und den Bewohnern wieder hergerichtet werden. Gemeinsame Spiel- und Bastelangebote gehörten ebenfalls zum generationsübergreifenden Workcampprogramm. Obendrein unternehme man gemeinsame Ausflüge zum Museumsdorf Cloppenburg und in den „Park der Gärten“. Außerdem hätten die jungen Leute viele Ideen, wie sie ihre Heimatländer und ihre Sprache den Senioren nahe brächten.
Begeistert vom Projekt
Ganz angetan von dem Projekt ist auch die 20-jährige Französin Camille Denoeud, die Workcampleiterin. Alle seien sehr nett und es sei toll, mit den alten Menschen zusammen zu sein. Auch wenn man sich sprachlich nicht immer verständigen könne, seien junge Leute und Senioren ständig in Kontakt: „Man kann sich auch gut verstehen, ohne die gleiche Sprache zu sprechen“, sagte Camille, verwies auf das Sprechen mit Händen und Füßen oder das Stillsein beim gemeinsamen Memory-Spielen.
und Friedensarbeit sind die Ziele, die sich die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) auf die Fahnen geschrieben haben. Der Verein, eine der größten und ältesten Workcamp-Einrichtungen Deutschlands, organisiert seit 60 Jahren Freiwilligendienste. Junge Leute zwischen 16 bis 26 Jahren können sich kurz-, mittel- oder längerfristig für Projekte im In- und Ausland engagieren. Ein Schwerpunkt der ijgd-Arbeit sind internationale Workcamps, in dem sich rund 15 junge Leute einem gemeinnützigen Projekt widmen. Die Gruppe wohnt gemeinsam und arbeitet 25 Stunden pro Woche im Umwelt- oder Naturschutz, bei Bau- und Renovierungsprojekten, im sozialen oder kulturhistorischen Bereich.
