Schönemoor - „Wir haben uns unseren Lebenstraum erfüllt“, sagt Heiko Bendix. Gemeinsam mit seiner Frau Doris kaufte der Bauunternehmer im November 1995 ein altes Bauernhaus an der Schönemoorer Dorfstraße.
In der Zeitung waren sie auf das Angebot gestoßen. „Uns hat das sofort gut gefallen. Schon bei der Besichtigung haben wir uns wie Zuhause gefühlt“, erinnert sich Doris Bendix. Und das, obwohl das Haus in einem ziemlich maroden Zustand war. Erste Aufzeichnungen über das Gebäude stammen aus dem Jahr 1621, Heiko Bendix vermutet aber, dass es noch älter ist.
Da das Haus unter Denkmalschutz steht, musste vieles erhalten bleiben. Aber das wollte das Ehepaar auch: „Es hat uns gereizt, alles wieder so herzustellen, wie es mal war“, sind sie sich einig. Lediglich ein Stall, der rechts neben dem Haus gestanden hatte, war nicht mehr zu retten. Bevor die Bauarbeiten starten konnten, mussten die Eheleute und ihre Helfer zunächst rund um das Haus anpacken. Allerhand Müll und Schutt galt es zu beseitigen. Danach konnte es losgehen – allerdings nicht ohne Hürde: Im hinteren Teil des Hauses wohnte Alma Drücker, von Familie Bendix liebevoll „Oma Drücker“ genannt. Und so begannen sie zunächst den vorderen Teil des Gebäudes, den ehemaligen Stall, zu sanieren.
Sie entfernten den Lehmboden und gossen einen Betonboden. Im März 1997 bekam das Haus neue Dachbalken. Noch im gleichen Monat folgten die Innenwände.
Alma Drücker lebte in dieser Zeit unter einer blauen Plane. „Sie hat alles ganz geduldig mitgemacht“, erzählt Doris Bendix. Besonders über die Modernisierungen habe sie sich gefreut. Denn: Das Plumpsklo gehörte ab sofort der Vergangenheit an. Und auch einen Wasseranschluss legten ihr die Eheleute Bendix. Zuvor hatte Alma Drücker das Wasser von den Nachbarn bekommen.
Unterstützt wurden die Eheleute insbesondere von ihrem Schwiegersohn sowie Heiko Bendix’ Bruder. „Zu 75 Prozent haben wir die Arbeiten selber gemacht“, schätzt der Bauunternehmer.
Im Mai deckten sie das Reetdach neu. Anschließend wurden der Heizungsraum neben dem Haus wieder aufgebaut und unterirdisch Heizungsrohre verlegt.
Die erste Etappe war geschafft: Am 13. Juni 1997 stieg auf dem Hof das Richtfest mit Freunden und Nachbarn. Nach den Feierlichkeiten machten sich Eheleute mit Unterstützung von Handwerkern an Fußböden, Küche und Bad.
Im November 1999 kam dann der lang ersehnte Tag. Familie Bendix verließ ihr Einfamilienhaus in Heide und zog in das Bauernhaus.
Aber Füße hochlegen war noch nicht angesagt. Insgesamt neun Jahre dauerte die Bauzeit. Nach ihrem Einzug ebnete zunächst eine Gärtnerei die Fläche rund ums Haus. Doris Bendix legte danach in liebevoller Kleinarbeit den Garten an. „Ostern 2000 konnten wir endlich auf unserer Terrasse frühstücken“, erinnert sich die 63-Jährige. Heiko Bendix baute in dieser Zeit gemeinsam mit seinen Helfern den alten Hühnerstall zur Garage um.
Als Alma Drücker, die rund 60 Jahre in dem Haus gelebt hatte, 2004 starb, zog Bendix’ Tochter Britta nach einer umfangreichen Sanierung mit ihrer Familie in die hintere Wohnung ein. 2005 erfüllten sich die Bendix’ einen weiteren kleinen Traum: Im Garten bauten sie aus alten Steinen einen traditionellen Backsteinofen, um Brot und Schinken zu backen.
Das Ehepaar lebt heute im ehemaligen Stall auf einer Wohnfläche von 200 Quadratmetern. Ihre Wohnung besteht aus Schlafzimmer, Badezimmer, Gäste-WC und Wohnküche in der unteren sowie Bügelraum und Büro in der oberen Etage.
„Wir sind sehr glücklich. Wir wollten beide schon immer ein Bauernhaus haben“, sagt Doris Bendix. Ein weiterer Grund für den Kauf: „Irgendwo mussten wir ja unseren ganzen Kram unterbringen.“ Bendix’ sammeln leidenschaftlich „alte Sachen“ – wie sie ihre Fundstücke nennen. In ihrer Freizeit findet man die Eheleute auf Flohmärkten oder bei Haushaltsauflösungen. Wo man hinblickt, in jeder Ecke stehen Teekannen, Körbe, Möbel, Gießkannen, Nähmaschinen, Grammophone oder Waschbretter. „Wir sind besser ausgestattet als das Museumsdorf Cloppenburg“, flachst Heiko Bendix.
Und Platz haben sie hier definitiv: Insgesamt vier Hektar misst das gesamte Grundstück. Das Bauernhaus hat eine Grundfläche von rund 300 Quadratmetern.
Was ihr Lebenstraum gekostet hat? „Ehrlich, wir wissen es nicht. Irgendwann haben wir aufgehört, es aufzuschreiben“, sagt Heiko Bendix. Sicherlich stecke eine Menge Geld in dem Gebäude. Aber das Sich-Wohl-Fühlen sei ihnen wichtiger.
