Landfrauenverein Ganderkesee mit langer Tradition
27. April 1927
– Dora Garbade gründet den Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein Delmenhorst. Die Lehrfrau vom Gut Nutzhorn wird auch erste Vorsitzende.1946
– Der Verein, der 1934 in den Reichsnährstand übergegangen war, wird als Landfrauenverein Delmenhorst wiedergegründet. Dora Garbade übernimmt erneut den Vorsitz.1971
– Käthe Schütte (Hollen) wird zur neuen Vorsitzenden gewählt.1981
– Christa Schwarting (Bülterei) übernimmt das Amt der Vorsitzenden.1993
– Karin Bellers (Bürstel) wird Vorsitzende des Landfrauenvereins Delmenhorster Geest.10. Februar 2004
– Der Verein benennt sich um in Landfrauenverein Ganderkesee.Seit 1993 ist die 56-jährige Landwirtin Vorsitzende des Vereins. Der hat derzeit mehr als 700 Mitglieder.
Von Markus Minten
BÜRSTEL - Karin Bellers liegt das Wohl der ländlichen Region am Herzen. Ebenso natürlich das Wohl der Bewohner. Für die Landwirtin aus Bürstel ist es deshalb selbstverständlich, sich für beides einzusetzen. Und das macht die 56-Jährige schon seit Jahren an vorderster Front. In den 80er Jahren zu den Landfrauen gekommen – Bellers: „Meine Oma und meine Mutter waren da schon Mitglied“ – führt sie seit 1993 den Landfrauenverein Ganderkesee, der damals noch Landfrauenverein Delmenhorster Geest hieß. Und seit 2001 steht sie als Kreisvorsitzende auch noch den 13 Landfrauenvereinen im Landkreis vor.Mehr als 700 Mitglieder – ausschließlich Frauen – hat der Ganderkeseer Verein derzeit. Nachwuchsprobleme? „Die gibt es nicht“, sagt Karin Bellers, die mit ihrem Mann einen Vollerwerbsbetrieb führt. „So lange die Kinder klein sind, ist es für die Frauen schwierig, mitzumachen. Aber wenn die Kinder groß sind, kommen die meisten dann doch.“ Mit einem breiten Angebot würden die Jüngeren angesprochen: So werden Vorträge zu Erziehungsfragen oder Sprachstörungen bei Kindern ebenso angeboten wie landwirtschaftliche Fachinformationen. Diese Themenvielfalt führe immer auch zu einem gemischten Publikum, bei dem „einer vom anderen was lernen kann“.
„Fortbildung ist die ursprüngliche Aufgabe der Landfrauenvereine“, erklärt Bellers. Als Gegengewicht zum Landvolk sollten sie früher Frauen aus landwirtschaftlichen Betrieben anleiten, Produkte aus dem bäuerlichen Garten anzubieten. Heutzutage ist der Verein, so Bellers, „offen für Frauen aus allen Bereichen“. Dadurch werde er zu einem wichtigen Bindeglied zwischen bäuerlichen und nicht-bäuerlichen Familien.
Als Kreisvorsitzende gehört Karin Bellers zudem noch zum Vorstand des Kreislandvolks, sitzt als Beiratsmitglied in der Naturschutzstiftung und ist in mehreren Fachausschüssen der Landwirtschaftskammer tätig. Organisation, Vorbereitung und Gespräche – sei es im Vorstand, mit Mitgliedern, der Gemeinde oder anderen Vereinen – machen den Großteil ihrer Arbeit aus.
Für all diese Ehrenämter braucht die 56-Jährige die Unterstützung ihrer Familie. Und die bekommt sie. „Wenn ein Ehrenamt übernommen wird, ist der Partner in irgendeiner Form immer eingebunden“, hat Karin Bellers festgestellt. Und auch die betrieblichen Abläufe auf dem Hof dürften unter den Tätigkeiten natürlich nicht leiden. „Mit guter Planung und einem Terminkalender lässt sich aber so manches regeln“, weiß Karin Bellers. „Und man muss es gerne machen.“ Dann sei die „viele Arbeit auch eine persönliche Bereicherung“. Man könne Erfahrungen sammeln, lerne viele Menschen kennen, werde aufgeschlossener und bekomme eine andere Sichtweise, hat sie in den vielen Jahren festgestellt.
Kraft und Energie für ihre Ehrenämter und für die Arbeit auf dem Hof schöpft Karin Bellers auf ihrem Blumenfeld an der Dehlthuner Straße. „Die Arbeit beruhigt mich, und ich mag die Erde einfach gerne riechen“, erklärt sie. Und neben dieser aktiven Entspannung sei der Erlös aus dem Blumenverkauf natürlich auch ein „willkommenes Zubrot“ – ganz im Sinne des Landfrauenvereins-Gedankens.
Diese NWZ -Serie stellt Männer und Frauen vor, die sich unentgeltlich und engagiert für ihre Mitbürger einsetzen.
