Cloppenburg - Schnabelkürzen, das Töten der männlichen Eintagesküken, Federpicken, Kannibalismus: Die Legehennenhalter, die sich erst vor wenigen Jahren von der Käfighaltung verabschieden mussten, stehen erneut vor erheblichen Umstellungsproblemen. Die wirtschaftlichen Folgen dieser zum Erhalt der „gesellschaftlichen Akzeptanz“ nötigen Vorgaben, politisch von der rot-grünen Landesregierung rasch befördert, waren Thema des Fachgespräches „Legehennenhaltung“ am Dienstag in der Stadthalle – veranstaltet von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Noch immer erzielten die Landwirte rund zwei Drittel des Einkommens aus der Tierhaltung, wog Dr. Albert Hortmann-Scholten, Kammer-Fachmann für den Markt, ab. Sichtbar sei aber, dass der Ansturm auf alternative Haltungssystems geringer würde, weil auch hier die wirtschaftliche Ausbeute geringer werde.
Die Legehennenhalter hätten auch schon durch die in Deutschland praktizierte frühzeitige Beendigung der Käfighaltung große Rückschläge erlitten. So produzierten sie 1990 bei einem Verbrauch von 253 Eiern pro Bundesbürger 16,4 Milliarden Eier, 2010 nach dem Verbot der Käfighaltung bei 214 Eiern nur noch 10,3 Milliarden, aber heute wieder 13 Milliarden Eier. Aber der Selbstversorgungsgrad, einst bei 90 Prozent, habe vor zwei Jahren nur noch bei 55 Prozent gelegen. „Der Rest kommt aus dem Ausland.“ Niedersachsen, vor allem das Oldenburger Münsterland, seien Zentren der Legehennen. Von den 36,5 Millionen deutschen Legehennen gackern mehr als 40 Prozent in Niedersachsen, vornehmlich in den Kreisen Vechta und Cloppenburg.
Ausführlich stellte Sabine Petermann (LAVES Oldenburg) den „Tierschutzplan Niedersachsen“ vor. Der Ausstieg beim Schnabelkürzen sei für Ende 2016 festgesetzt. Die Tötung der männlichen Küken könne am besten mit einer Geschlechterdifferenzierung im Ei geschehen; die „optimale Lösung“ ein bildgebendes Verfahren am sechs Stunden ausgebrüteten Hühnerei. Das alles solle aber im Gleichschritt mit den europäischen Mitbewerbern erfolgen, sonst gebe es „schwer kalkulierbare ökonomische Risiken“, so Hortmann-Scholten.
Österreichische Erfahrungen nach dem Verbot des Schnabelkupierens stellte Dr. Kurt Niebuhr von der Universität Wien vor (siehe Wirtschaft, Seite 23). „Aber das alles muss sich auch noch rechnen“, sagte Arendt Meyer zu Wehdel (Badbergen), Präsident der Landwirtschaftskammer. Letztlich sei aber die gesellschaftliche Akzeptanz auch das Fundament der Landwirtschaft.
