Stapelfeld - Maßstäbe einer zukunftsfähigen Ernährungskultur hat der „Brennpunkt Regionalentwicklung“ in Stapelfeld gesucht. Gefunden haben sechs Referenten eher eine Zustandsbeschreibung: Ist „Massentierhaltung“ ein Kunstbegriff?
Die Sympathien waren klar verteilt. Für Peter Meiwald, den aus Vechta stammenden Bundestagsabgeordneten der Grünen aus Westerstede, gab es nach freundlichem Applaus als Folge langer Eröffnungsthesen nur spärlichen Beifall. Die Landwirtschaft müsse bedenken, dass „wir auf Kosten anderer leben“.
Seiner These von der „guten Bio-Landwirtschaft“ – „wenn alle solche Qualitäten haben, dann ist es gut“ – widersprach Sarah Dhem, Juniorchefin eines neue Produkte vermarktenden Wurstherstellers in Lastrup. „Wo bleibt bei Bio das Tierwohl?“, fragte sie. Es gebe kein Interesse. „Der Biomarkt im Schweinesektor stirbt“, so Dhem. Die Maxime des Handelns müsse das Können ein. Was spreche gegen einen Landwirt, der mehr Tiere als der Nachbar habe. Der Ausdruck „Massentierhaltung“ müsse als Kampfbegriff demaskiert werden.
Dies führe zu einer Zwei-Klassen-Landwirtschaft, hatte Mechthild Vorwerk von den Landfrauen erkannt. Bioprodukte lebten davon, angeblich besser zu sein. Tierschutz werde zum Wettbewerb, Tierwohl zur Reklame. Die Folgen: Burnout und finanzielle Sorgen der Landwirte, fehlender Rückhalt in der Gesellschaft, Spielball der Politik, Empörung der Verbraucher und Ausstiegsberatung.
Dr. Vincenz Bauer, Marktbeobachter der Landwirtschaftskammer, befürchtet, dass es bald in manchen Dörfern keinen Bauern mehr gibt. Die Herausforderung seien schwankende Rohstoffmärkte und unsichere Einnahmen. Dabei gebe es optimale Rahmenbedingungen. Der Landwirt beeinflusse sein eigenes Einkommen kaum noch.
Die „geschlossene Wertschöpfungskette“ sei der Vorteil des Oldenburger Münsterlandes, meinte Uwe Bartels, Ex-Agrarminister, für das Agrar- und Ernährungsforum. Der zudem nirgendwo sonst so gut ausgebaute vor- und nachgelagerte Bereich sichere Transparenz und Lebensmittelsicherheit. Bartels warnte vor flächendeckender Extensivierung. Dann würden andere nicht geeignete Flächen für die Tierhaltung genutzt. Es gebe bereits täglich Meldungen über den mit deutschem Kapital erfolgten Ausbau von Hähnchenställen oder Eierfabriken in der Ukraine, in Polen, Russland, Rumänien und China. „Dann kommt all das viel heftiger und in größerer Konzentration, was die grünen Landwirtschaftsminister hier nicht wollen“.
Bartels hatte anfangs mit einem deutlichen Stirnrunzeln reagiert, als Moderator Bernd Kleyboldt ihn als „Lobbyisten“ bezeichnete. „Wütend“ machen Bartels nach eigenen Worten die Termine für das Ende der nichtkurativen Eingriffe wie Schwänzekupieren oder Schnäbelkürzen. „Wir brauchen eine gemeinsame Zeitachse“, meinte er, wobei der Lebensmitteleinzelhandel in die Pflicht zu nehmen sei.
Zur Finanzierung eines größeren Tierwohls könnte es, so Bartels weiter, durchaus auch eine Fleischabgabe, eine finanziell bessere ausgestaltete Initiative und darüber hinaus eine höhere Mehrwertsteuer geben.
