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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

„Eigene Vorzüge stärker hervorheben“

01.03.2014
Frage: Ein mäßiges Weihnachtsgeschäft trotz bester Konsumlaune. Namhafte Einzelhändler wie Karstadt, Weltbild oder Strauss Innovation in der Krise: Mancher sieht schon den Niedergang des stationären Einzelhandels. Stimmen Sie in den Abgesang mit ein?
Havekost: Nein, gar nicht. Ich sehe sehr wohl, dass wir im Internethandel steigende Umsatzanteile verzeichnen. Und ich sehe, dass immer mehr Menschen auch im Internet einkaufen. Das heißt aber nicht, dass dies das Ende des stationären Handels, also der Geschäfte vor Ort ist. Im Gegenteil: Den stationären Handel wird es noch lange geben. Es wird eher so sein, dass die Menschen auf verschiedenen Kanälen einkaufen, mal im Internet, mal im Laden: Sie informieren sich im Laden und kaufen im Internet ein. Oder sie informieren sich im Internet und kaufen dann im Laden vor Ort ein.
Frage: Das heißt, das Online-Geschäft stellt für den stationären Handel nicht nur ein Risiko dar, sondern kann auch eine Chance bedeuten?
Havekost: Natürlich ist das Online-Geschäft für den stationären Fachhändler eine Herausforderung. Gleichzeitig eröffnen sich für den stationären Einzelhandel neue Möglichkeiten, etwa durch Showrooms oder durch Kundenbestellungen mittels Smartphones und QR-Codes, wie es jetzt in Oldenburg in einem Projekt mit dem Unternehmen Paypal getestet wird. Wer als stationärer Händler online gehen möchte, muss sich intensiv damit auseinandersetzen und das Projekt professionell angehen. Das reicht von hochwertigen Warenfotos bis zu sicheren Bezahlsystemen. Keiner muss jedoch das Rad neu erfinden und selbstständig einen Onlineshop eröffnen. Es gibt Marktplätze und Anbieter, die Unterstützung leisten, und über die sich die Waren auch vertreiben lassen.
Frage: Wie sehen Sie den Einzelhandel hier in der Region aufgestellt?
Havekost: Wenn ich auf unsere jüngste IHK-Konjunkturumfrage schaue, dann ist die Geschäftslage der Einzelhändler hier in der Region unterm Strich zufriedenstellend. Bei den meisten Einzelhändlern sind die Umsätze stabil. Zehn Prozent der befragten Unternehmen geben sogar eine verbesserte Geschäftslage im Vergleich zum Vorquartal an. Man muss aber auch festhalten, dass es abhängig von Sortiment, Größe oder Standort große Unterschiede gibt. Gerade in den Ortskernen vieler Grund- und Mittelzentren ist die Lage sehr herausfordernd.
Frage: Was macht die Situation so herausfordernd?
Havekost: Wir haben allgemein im Einzelhandel einen harten Wettbewerb. Viele Anbieter reagieren darauf, indem sie ihre Verkaufsflächen vergrößern. Das führt zu einem immensen Druck auf diejenigen Betriebe, die das nicht so einfach können. Dazu gehören die kleinen inhabergeführten Geschäfte in den Innenstadtlagen und Ortszentren. Aber auch großflächige Fachmarktstandorte auf der grünen Wiese haben bis zu einer gewissen Grenze ihre Berechtigung. Denn alle Betriebskonzepte werden von den Kunden angenommen. Kommunen sollten aber unbedingt genau hinschauen, welche Größe und welche Sortimente an welchem Standort für ihre Stadt oder Gemeinde sinnvoll und verträglich sind. Das heißt, eine Kommune muss auch mal „Nein“ sagen zu einer geplanten Ansiedlung.
Frage: Was empfehlen Sie Kommunen?
Havekost: Wichtig für Städte und Gemeinden ist es, ein sachgerechtes Einzelhandelskonzept aufzustellen. Das wird zum Beispiel aktuell in Oldenburg, Vechta und Bockhorn gemacht. Wünschenswert wäre es auch, würden sich Kommunen zusammentun und sich in einer Region über die Einzelhandelsentwicklung gemeinsam abstimmen. In der Region Bremen ist jetzt ein solches Konzept zur regionalen Einzelhandelsentwicklung auf den Weg gebracht worden. Auch im Bereich Ostfriesland gibt es diese sinnvolle Abstimmung. So etwas wäre auch für die Region Oldenburg zu begrüßen.
Frage: Was kann der stationäre Einzelhandel selbst tun, um attraktiv zu bleiben?
Havekost: Ich gehe davon aus, dass auch künftig nicht alle Verbraucher nur online einkaufen werden. Eine aktuelle Studie von Roland Berger zeigt, dass etwa 50 Prozent aller Kunden sowohl stationär als auch online unterwegs sind. Das heißt, es gehen immer noch sehr viele Kunden gern in ein Ladenlokal. Und die Chance der Händler liegt darin, dass sie Erlebnisse schaffen, eine schöne Wohlfühl- und Einkaufsatmosphäre – das geht über die Laden- und Schaufenstergestaltung ebenso wie über den Service. Dass die Kunden die Waren anfassen können, dass sie sie sehen, dass sie sie auch riechen können. Und der ganz große Vorteil gegenüber dem Online-Handel ist, dass die Kunden sich fachkundig beraten lassen und die Waren sofort nach Hause mitnehmen können. Alle diese Vorzüge muss der stationäre Einzelhandel noch sehr viel stärker hervorheben, auch in seiner Werbung.
Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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