Oldenburg - Mal eben in den Supermarkt und alles einkaufen, was man zum Mittagessen braucht: Das ist heute Alltag, zumal in der Stadt. Vivien und Jan Christian Laumen gehen einen anderen Weg, sie versorgen sich größtenteils selbst. Obst, Gemüse, Eier, zum Teil sogar Fleisch kommt aus dem eigenen Garten.

„Vor zwei Generationen war so etwas noch lebenswichtig“, sagt Jan Christian Laumen. Nicht als Lebensgrundlage, sondern als Leidenschaft hat sich das (nach einer übersprungenen Generation) vererbt. Schon als Kind hat Laumen seinem Großvater beim Obst- und Gemüseanbau interessiert über die Schulter geschaut. Irgendwann hat der junge Laumen das erste Stück Acker zum selbst Bewirtschaften abbekommen. „Dort habe ich die ersten Fehler gemacht und von meinem Opa gelernt“, so der heute 30-Jährige.

Als der Enkel das großelterliche Haus mit dem großzügigen Garten im Stadtteil Haarentor später übernahm, blieb er dem Hobby treu und entfachte auch bei seiner Ehefrau die Lust am Gärtnern. „Es ist ein schöner Ausgleich zum Beruf“, meint der Software-Ingenieur. Auch Vivien Laumen geht nach ihrem Ausbildungstag zur Sozialassistentin gern in den Garten, statt einfach die Füße hochzulegen.

„Für andere Hobbys haben wir jetzt im Winter mehr Zeit“, erzählt die 28-Jährige. Denn jetzt liegen die Felder brach, alles was aus der Erntesaison noch übrig ist, ist bereits haltbar gemacht. „Man kann einfrieren, einkochen, oder einmieten“, erklärt Jan Christian Laumen. Fürs Einfrieren gibt es eine mittelgroße Tiefkühltruhe. Die Gläser mit dem eingekochten Obst und Gemüse füllen ganze Regale im Keller. Beim Einmieten wird Gemüse kühl im feuchten Sand gelagert und überdauert so eine lange Zeit. Ziel des Ehepaars ist es, jedes Jahr so viel zu ernten und haltbar zu machen, dass diese Lebensmittel den Winter über reichen. „Kartoffeln haben wir zum Beispiel noch nie gekauft.“

Wenn die Tage wieder länger werden, muss dann neu ausgesät werden. Die Laumens betreiben auf ihrem 200 Quadratmeter Acker eine Dreifelderwirtschaft mit wechselnder Fruchtfolge. Rhabarber, Möhren, Bohnen, Erdbeeren, Rote Beete – alles ist haargenau in einem Buch festgehalten, um nicht den Überblick zu verlieren.


Drei Bienenvölker sorgen zudem für Honig. Daneben hält sich das Ehepaar noch ein paar Hühner für frische Eier sowie Kaninchen, die wie das Federvieh hin und wieder auch Fleisch liefern. „Aber Fleisch, Wurst oder Käse kaufen wir natürlich auch dazu“, sagt Vivien Laumen. Denn es ist nicht so, dass die beiden sich als reine Selbstversorger sehen. Die Laumens betreiben ihr Hobby einfach intensiver und haben für sich entschieden, dass sie im Dezember keine Erdbeeren essen müssen. Sie warten lieber darauf, bis sie wieder im eigenen Garten wachsen.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)