Moorhausen - „Was Bombenangriffe im 2. Weltkrieg an baulichen Schäden in deutschen Städten anrichteten, haben die Oldenburger in den 50er und 60er Jahren selber erledigt.“ Was an historischer Bausubstanz in der ehemaligen Residenzstadt erhalten blieb, was der Abrissbirne der vermeintlichen „Moderne“ zum Opfer fiel und wie die Stadt sich auf alten Postkarten darstellte, verriet der Oldenburger Gästeführer Helmut Meinken in seinem Vortrag „Aufbruch in die Moderne“ jetzt den Altenhuntorfer Landfrauen in der Moorhauser Deichschäferei.
Darüber hinaus würzte der Referent den nostalgischen Ausflug in alte Oldenburger Zeiten mit ortstypischen Anekdoten und Histörchen um die Oldenburger und ihre großherzogliche Familie des Hauses Oldenburg.
Auch über den renommierten Oldenburger Architekten Ludwig Klingenberg wusste Meinken einiges zu berichten. 1873 hatte Klingenberg den Turm der Lambertikirche konzipiert und bauen lassen. Nur 16 Jahre später zeigte das Bauwerk solche Risse, dass es abgerissen werden musste. Als der wütende Architekt sein nächstes Haus in der Achternstraße baute, hat er seinen Protest über diese Schmach in der Mauer dieses Hauses verewigt. Meinken: „Wer sucht, kann diese Inschrift heute noch finden“.
Einer der schillerndsten Figuren im Haus Oldenburg war Großherzog Friedrich August (1852 -1931). Bekannt war der letzte regierende Großherzog für seine nautische Begeisterung. Er erwarb an der Elsflether Seefahrtschule sein Kapitänspatent, 1914 lief das auf seinen Namen getaufte Segelschiff in Geestemünde vom Stapel. Heute segelt das Schiff unter norwegischer Flagge als „Statsraad Lehmkuhl“. Auch des Herzogs schmucke Dampfyacht „Lensahn“ ist auf zahlreichen alten Postkarten stolz verewigt worden.
Die Elektrifizierung der Stadt, die grüne Oase „Schlossgarten“, die große Landesausstellung im Jahr 1905, die Oldenburger „Hundehütten“, selbstbewusstes Bürgertum in prächtigen Roben, Kinder im Matrosen-Look oder der schöne Marktbrunnen (abgerissen 1902) – alles wurde auf den zart kolorierten Postkarten festgehalten und auch die Mitteilungen der Absender sind lesenswert. Ein Besucher schrieb an die Daheimgebliebenen: „Genieße hier das Country-Life und lese den Simplizissimus“. Anglizismen gab es auch schon vor über hundert Jahren!
