Altenoythe - Vor etwas mehr als zwei Jahren war da auf einmal „so ein Kribbeln in den Händen“. Da wusste Georg Brand aus Altenoythe, „dass ich das wieder machen muss“. Mit „das“ meint er das Schmieden.
1981 hatte der heute 53-Jährige bei Heinrich Tholen seine Schmiedelehre begonnen, aber schon drei Jahre später sattelte er um und nahm eine Arbeitsstelle als Schlosser an. Schmied, das war Brand schnell klar geworden, war schon damals kein Beruf mit Zukunft mehr.
Und vor zwei Jahren dann also dieses Kribbeln. Brand machte Nägel mit Köpfen, schaffte sich eine gebrauchte Schmiedefeueresche an und baute sich selbst einen Schmiedetisch. Der Schwager schenkte ihm einen rund 70 Jahre alten Amboss, und schon konnte es losgehen. „Der Geruch war sofort wieder da, der Hammer lief nach kurzer Zeit wie früher“, beschreibt er die ersten Versuche mit dem neuen alten Hobby. „Das ist wie Fahrradfahren. Man verlernt es nicht.“
Andererseits ist Schmieden inzwischen ein fast schon vergessenes Handwerk. „Kinder kennen das doch gar nicht mehr“, hat Brand festgestellt, „aber auch viele Ältere haben noch nie einen Schmied bei der Arbeit gesehen.“ Deshalb nahm er 2014 auch am Altenoyther Bauernmarkt teil und war überrascht von der Faszination, die sein Feuer, das rot glühende Eisen, Hammer und Amboss auf die Besucher, vor allem auf die Kinder, ausübten. „Es ist wunderbar, wenn die Kleinen mit großen Augen dastehen und zuschauen, wie aus einem Stück Baustahl ein Nagel oder ein Herz wird.“
Seitdem bekommt Brand aus der Nachbarschaft und aus ganz Altenoythe immer wieder Anfragen nach Gartendekorationen, Windlichtern und Feuerschalen, aber auch nach Beschlägen oder Scharnieren für alte Truhen und Türen. Und auch in diesem Jahr ist er wieder auf dem Bauernmarkt dabei (siehe auch Info-Kasten).
Es ist die Kombination aus Kreativität und Handwerk, die ihm am Schmieden so gefällt. „Jedes Stück ist anders“, sagt er, „wenn ich zehn Nägel mache, sind alle zehn unterschiedlich.“ Leben aber könnte man davon nicht, deshalb bleibt das Schmieden für Brand ein Hobby, wenn auch ein zeitaufwendiges. „Nur mal eben für 20 Minuten an den Amboss, das lohnt sich nicht“, sagt er. „Allein bis die Glut heiß genug und alles vorbereitet ist, geht ja schon einige Zeit ins Land.“
Doch auch wenn es ein Hobby ist, die Arbeitsumgebung ist absolut professionell. Die eine Hälfte der großzügigen Werkstatt ist für den Baustahl und die fertigen Schmiedearbeiten reserviert, in der anderen Hälfte und auf der Werkbank in der Mitte finden die Werkzeuge ihren Platz. Fast 20 Hämmer in unterschiedlichen Größen und Formen hat er, um jede Form, jedes Muster erzielen, jede Idee umsetzen zu können.
