Wer durch Bookholzberg fährt, sieht schon von weitem den 15 Meter hohen Handwerkerbaum auf dem Kirchplatz, der aus Stahl gefertigt ist. Daran hängen Handwerkswappen aller Bookholzberger Branchen. Maßgeblichen Anteil an der Fertigstellung dieses Unikats hatte Horst Auffarth (73) – ein Handwerker durch und durch. Bis heute wohnt er in seinem Elternhaus, das mehrfach umgebaut wurde. Es gibt hier fast nichts, was Horst nicht selbst angefertigt oder gebaut hat – schon bei der Ankunft gehe ich durch eine Pforte, die er während seiner Lehrzeit angefertigt hat.
Horst Auffarth wuchs gemeinsam mit seiner älteren Schwester auf. Von 1945 bis 1954 ging in er Grüppenbühren zur Schule. „Wir sind immer satt geworden, und es gab eben nur Spielzeug, was mein Vater selbst gemacht hatte. Kein Vergleich zur heutigen Zeit, aber damals kannten wir es nicht anders.“ Nach der Schulzeit wollte Horst einen handwerklichen Beruf erlernen – aber das Angebot war knapp. Um eine Lehrstelle als Schlosser bei den Deutschen Linoleumwerken (DLW) in Delmenhorst zu bekommen, musste er zunächst eine Eignungsprüfung ablegen. Als einer von drei Lehrlingen wurde er angenommen. Noch heute schwärmt Horst Auffarth von seiner Lehrzeit. „Ich hatte einen sehr guten Lehrmeister. Wir haben viel gelernt, aber auch viel Spaß gehabt!“
Nach seiner Ausbildung wurde er gleich übernommen. Nach nur einem halben Jahr als Geselle holten ihn die Verantwortlichen der DLW in das werkseigene Konstruktionsbüro als Technischer Zeichner. Durch seine gute Arbeit hatte er auf sich aufmerksam gemacht und wurde für sein neues Betätigungsfeld sehr gefördert. Um sich auch noch praktisch weiterzubilden, machte Horst aus eigenem Interesse an einer Abendschule auch noch seine Meisterprüfung zum Maschinenbauer. Als bei der DLW 1971 einiges umgestellt wurde, wechselte er zur Firma Hudo Werk KG nach Hude, ebenfalls als Konstrukteur. 1984 musste dieses Werk schließen, aber Horst konnte wieder bei der DLW anfangen. „Ich bin jeden Morgen immer mit sehr viel Spaß zur Arbeit gegangen“, erzählt Horst sehr glaubhaft.
Von seinem handwerklichen Geschick profitierten auch verschiedene Vereine. Schon mit zehn Jahren trat Horst dem TSV Grüppenbühren/Bookhorn bei. Gerne hätte er Handball gespielt, aber da legten seine Eltern ein Veto ein. Er sollte sich auf die Schule und später auf den Beruf konzentrieren. Dafür war er einige Jahre Gerätewart und von 1982 bis 1995 auch 2. Vorsitzender. Nicht nur in diesem Jahr war der Festwagen des TSV Grüppenbühren/Bookhorn beim Faschingsumzug hoch prämiert, sondern auch schon viele Jahre vorher. Insgesamt 13 Jahre (1973 bis 1986) war Horst Auffarth für den Festwagen des TSV verantwortlich. Noch heute stehen in seinem Garten einige Requisiten aus dieser Zeit, wie zum Beispiel ein Karussell von drei Metern Durchmesser.
„Bei mir kommt immer wieder die Technik durch“, gesteht Horst. Sein Heimatort Grüppenbühren liegt ihm am Herzen. Er ist nicht nur Bezirksvorsteher, sondern war viele Jahre aktiv in der Dorfgemeinschaft Grüppenbühren, zusätzlich noch Beiratsmitglied im Orts- und Heimatverein Bookholzberg. Als Grüppenbühren diesem Orts- und Heimatverein 2007 beitrat, wurde Horst Auffarth dessen 2. Vorsitzender. „Du bist so aktiv. Warum bist Du in keinem Verein mal 1. Vorsitzender geworden?“, wollte ich gerne wissen. „Das ist nichts für mich“, antwortete er, „ich arbeite lieber in der zweiten Reihe“.
Seit 51 Jahren ist Horst Auffarth mit seiner Erika verheiratet und an zwei seiner drei Kinder hat er sein technisches Geschick weitergegeben. Hans-Bernd (49) und Meike (45) sind beide Maschinenbautechniker. Nur Tochter Petra (42) hat sich einen anderen Beruf ausgesucht – sie ist Pharmazeutisch-technische Angestellte.
„Was machst du, wenn Du einmal nicht am Werkeln bist?“, wollte ich zum Abschluss wissen. „Wir gönnen uns jedes Jahr eine Woche Winterurlaub im Harz. Im Sommer fahren wir zwei Wochen weg, einmal auf die Insel Ameland und das andere Jahr nach Tirol – aber immer ins gleiche Quartier, da wissen wir was wir haben.“
Horst Auffarth, 2. Vorsitzender des Orts- und Heimatvereins Bookholzberg-Grüppenbühren und Bezirksvorsteher in Grüppenbühren
