Hude - „Es ist ein bisschen schwierig, mit Demenzkranken ein Gespräch anzufangen und sich zwei Stunden gut zu verständigen.“ Das sei eine Herausforderung gewesen, sagt Marina Kuhlmann. Die 19-Jährige steht kurz vor dem Ende ihres Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in der Diakonie-Sozialstation in Hude. Regelmäßig gehe sie mit einer Demenzpatientin spazieren – „damit sie ’mal rauskommt“, sagt Kuhlmann. Anfangs habe die Huderin sie nach ihren wöchentlichen Besuchen bis zum nächsten Mal wieder vergessen. „Das lasse ich aber nicht an mich heran.“ Die Einzelschicksale und Gedanken blieben auf der Arbeit.
Letzter Arbeitstag
Ein Jahr war Kuhlmann für rund 15 Patienten verantwortlich, spielte mit ihnen Kniffel, ging mit ihnen einkaufen, zum Arzt oder leistete Gesellschaft. Am 31. Juli ist nun ihr letzter Arbeitstag. Dann startet sie eine Ausbildung als Tischlerin. Ein Nachfolger wird händeringend gesucht.
„Das war schon ein erfolgreiches Jahr. Als Berufseinstieg finde ich das eine gute Sache“, sagt die 19-Jährige aus Oberhausen/Holle. Eigentlich wollte sie etwas Handwerkliches machen, wurde dann aber von der Idee einer Freundin angesteckt und bewarb sich für ein FSJ.
„Jeden Freitag geht sie mit mir einkaufen – immer sehr umsichtig und geschickt“, sagt Regina Büchel. Mit der zusätzlichen Hilfe, könne die 60-Jährige besser einkaufen und die Ware aussuchen. „Sonst hätte ich ein Problem.“ Denn die Bookholzbergerin ist nach einem Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen. Schon seit einigen Jahren lässt sie sich von den Freiwilligen betreuen. „Man hat wirklich das Gefühl, aufgehoben zu sein.“
Auch ein Mädchen mit Behinderung holt Kuhlmann regelmäßig für zwei Stunden von der Schule ab. Dann fahren sie ins Schwimmbad oder zum Spielplatz. „Sie ist ein ganz herzliches Mädchen mit viel Fantasie“, sagt Kuhlmann.
Auf Menschen zugehen
Neben der Praxis gehören auch regelmäßige Seminare mit Rollenspielen, Erster-Hilfe-Kurs und Ausflügen zur Karl-Jaspers-Klinik, einem Fachkrankenhaus in Wehnen (Ammerland), oder zur Justizvollzugsanstalt in Vechta.
Die schönsten Momente seien aber, wenn die Patienten ihr entgegenlächeln. „Sie vermissen mich schon und geben mir die Bestätigung, dass ich ihnen wichtig bin.“ Bei einigen Patienten könne sie sich vorstellen, weiter Kontakt zu halten.
Man müsse sich auf die Arbeit mit den Betroffenen einlassen und akzeptieren, dass sie verschieden sind. „Man hat das Gefühl, dass die FSJ-ler mit der Zeit wachsen und selbstbewusster werden“, sagt Petra Schröder, stellvertretende Pflegedienstleiterin . Mit Offenheit werde man schnell Teil des Teams.
