Ramsloh - Als Pioniere werden Menschen bezeichnet, die eine Vorreiterrolle im Leben einnehmen. Die etwas entdeckt, erobert oder erfunden haben. Die unbequem sind, und nicht die landläufigen Meinungen ihrer Zeit vertreten. Als Pioniere können aber auch die Menschen bezeichnet werden, die einfach nur etwas schneller sind als die anderen.
Orientiert man sich an dieser Begriffsdefinition, kann man zur Ansicht gelangen, dass Georg Siefken ebenfalls eine Art Pionier gewesen ist. Er ist der Mann, der als einer der ersten Saterländer überhaupt, Sonnenkollektoren und Photovoltaikplatten auf seinem Hausdach anbringen ließ. Der seine Wohnräume bereits in den Siebziger Jahren mit einer Dreifachverglasung und einer Fußbodenheizung ausstattete. 2004 – ebenfalls früher als bei den anderen – schwenkte er von Gas auf Holz um. Seit dem wird bei Siefkens mit Pellets geheizt. Nicht zu vergessen das Auto, das diesen unnachahmlichen „Pommesgeruch“ absondert. Seit 2003 fährt der 65-Jährige, der bis zum Sommer am Schulzentrum Saterland naturwissenschaftliche Fächer unterrichtete, einen umgerüsteten VW Passat, der mit Pflanzenöl-Kraftstoff betankt wird. Für viel Furore hat das damals gesorgt. „Interviews mussten gegeben werden. Nachbarn, Kollegen und Schüler stellten interessierte Fragen“, erinnert sich der Ramsloher.
Ohne Zweifel: Georg Siefken war ein beliebter Gesprächspartner. Zu einem gewissen Bekanntheitsgrad hatte er es zu diesem Zeitpunkt als Vereinsgründer und -vorsitzender von Zukunft Sonne e. V. Ostfriesland ohnehin schon gebracht – einem Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Bürger zum Umdenken zu bewegen: weg von den fossilen Brennstoffen, hin zu den erneuerbaren Energien.
„Jeder kann einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten“, sagt Georg Siefken. Ein Argument, das zwar viele Menschen kennen, aber nur von wenigen befolgt wird. „Wenn man ihnen aber mitteilt, dass sich mit Solar- und Windenergie Geld sparen lässt, ist es wesentlich wirksamer“, ist die Erfahrung, die Siefken gemacht hat.
In der letzten Zeit ist es stiller um den 65-Jährigen geworden. Das mag zum einen mit der Pensionierung zusammenhängen, und zum zweiten damit, dass der Verein als solcher ebenfalls nicht mehr existiert.
Aber ist nicht seine Arbeit eh längst getan? Die Bundesregierung hat den Ausstieg aus der Atomkraft mittlerweile beschlossen, das Geschäft mit den Photovoltaikanlagen boomt. Was bleibt da noch aufzuklären?
„Einiges“, sagt Siefken. Zu viele Zahlen sind beim Verbraucher immer noch nicht angekommen. „Oder wussten Sie, dass jeder Deutsche jährlich bis zu elf Tonnen CO2 erzeugt?“ Nein, das hat die Journalistin nicht geahnt. Eine Zahl, die sie nachdenklich stimmt. Deutschland mag zwar in Sachen Natur-und Umweltschutz weit vorne liegen. Georg Siefkens Arbeit ist aber noch lange nicht abgeschlossen.
