Barßelermoor - Einen guten Tropfen verachtet Gerd Sandstede nicht. Am liebsten ist ihm der aber der Rebensaft aus eigener Produktion: fruchtig im Abgang und gefiltert durch die gesunde und leicht-salzige Barßeler Luft. Rebstöcke, wie im Süden, sucht man bei dem Hobby-Winzer allerdings vergebens.
Kostprobe gemacht
Bei Gerd Sandstede, den viele Bürger durch sein zweites Hobby, das Singen im Shanty-Chor Barßel kennen, hängen vermutlich Tausende von Weintrauben unter dem Dach seiner Außenterrasse am Wohnhaus an der Ankerstraße in Barßelermoor. Wohin man auch schaut, befindet sich Rebe an Rebe. „Es ist unglaublich. Es ist ein Meer von Trauben“, traut Sandstede seinen Augen in diesem Jahr nicht so richtig. So eine Ernte hatte ich noch nie“, ist der Rentner begeistert.
Die Weintrauben-Triebe haben im Laufe der Jahre eine Länge von mehr als 25 Meter erreicht. Und das mit Ausdauer, denn Wein-Pflanzen können 30 bis 50, manchmal sogar über 100 Jahre alt werden. In ein paar Wochen steht bei Gerd und Elfriede Sandstedes „Weinberg“ wieder die Ernte an. „Dann habe ich alle Hände voll zu tun. Aber ich ernte nicht allein. Mein Shanty-Kollege Peter Köpf hilft mir dabei. Zusammen machen wir den Wein dann ein“, erklärt Sandstede. Eine Kostprobe hat er schon vorab gemacht. Sein Urteil: „Die Trauben schmecken sehr lecker.“ Bei der Fülle von Reben geht Sandstede davon aus, dass er mehr als 50 Liter Wein gewinnen wird. „Vom Weinbau selbst habe ich nicht die große Ahnung. Muss man als Norddeutscher auch nicht“, sagt der Hobbywinzer.
Den Traum vom eigenen Wein im Garten kann sich seiner Erfahrung nach jeder erfüllen. Wichtig sei, dass man ein sonnenverwöhntes Plätzchen an einer Haus- oder Garagenwand hat, das windgeschützt und vor Spät- oder Frühfrösten sicher ist.
Geschenk der Tochter
Angefangen hatte seine Winzertätigkeit damit, dass ihm seine Tochter Romy Hoffbuhr vor vielen Jahren zum Geburtstag einen kleinen Weinstamm aus der Moselgegend schenkte. „Den habe ich in meinem Garten angepflanzt, damit die späteren Sträucher und Blätter einen Schutz auf der Terrasse bilden. So etwas hatten Elfriede und ich bei einem Urlaub an der Mosel gesehen. Ich konnte ja nicht ahnen, welche Ausmaße das annimmt. Sonnenschutz haben wir nun genügend“, so der Ehrenvorsitzende des Shanty-Chores. Auf die Frage, warum der Wein bei ihm zu gut wächst, hat Sandstede eine klare Antwort: „Wegen der Moorsäure in unserem Boden“.
