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Langwarder Groden „Ein Stück Heimat für immer verloren“

Langwarden - „Unsere Befürchtungen sind nicht nur eingetroffen, sondern weit übertroffen worden. Wir haben circa 140 Hektar ökologisch wertvolle Flächen und damit ein Stück Heimat wohl für immer verloren“, sagt Dieter Brockhoff enttäuscht.

Der Vorsitzende des „Fördervereins Langwarder Groden – Erhalt unserer Heimat zwischen den Deichen“ zieht eine ernüchternde Zwischenbilanz der Umsetzung der Ausgleichsmaßnahme im Langwarder Groden.

Dort sind seit Mai 2012 rund 550 000 Kubikmeter Kleiboden bewegt worden. Ausgeglichen werden sollen die beim Bau des Jade-Weser-Ports sowie bei Deichverstärkungen in Cäciliengroden und Augustgroden entstanden erheblichen Beeinträchtigungen von Lebensräumen und ihrer Fauna im Außendeichsbereich. Ziel der Maßnahme ist, die Flächen des Langwarder Binnengrodens dem Einfluss der Tide auszusetzen und damit die Voraussetzung für die Entwicklung eines naturnahen Salzwiesenkomplexes mit natürlichen Prielstrukturen zu schaffen.

Öffnung des Vordeiches

Die Maßnahmen umfassen die Öffnung des 4,2 Kilometer langen Vordeiches auf einem rund 900 Meter langen Abschnitt, Veränderungen der Höhenverhältnisse durch flächenhaften Bodenabtrag sowie des Profils des Binnensieltiefs und der Gräben, damit genügend Wasser in den Groden fließen kann. Durch den Bodenabtrag wird der Klei für die erforderliche Hauptdeichverstärkung gewonnen.

Für Dieter Brockhoff hat diese Ausgleichsmaßnahme mit Naturschutz nichts mehr zu tun. Bagger und Planierraupen hätten bereits etliche Bereiche des Langwarder Grodens umgepflügt und so dafür gesorgt, dass kein Zugvogel mehr dort gerastet habe. Auch die Wiesenbrüter seien vertrieben worden. Das einzige Tier, das sich in der künftigen Wildnis noch wohl fühlen werde, sei der Fuchs. Für den Vorsitzenden des Fördervereins ist Naturschutz mit dem Bagger nicht möglich.

Dieter Brockhoff bezweifelt zudem, dass das Ziel – das Entstehen neuer Salzwiesen – mit der geplanten Maßnahme erreicht werde. Vielmehr sei zu befürchten, dass über zehn Millionen Euro sinnlos verbaggert würden. Salzwiesen würden aber auf natürliche Weise im Watt entstehen. Aufgrund der zunehmenden Verschlickung auch des Fedderwarder Priels seien jährlich drei bis fünf Hektar Salwiesen vor dem Langwarder Groden entstanden. Dieter Brockhoff verweist darauf, dass das auch die Jagdpächter zu spüren bekommen hätten, denen weitere Flächen im Deichvorland angerechnet worden seien.

Verärgert ist der Vorsitzende besonders darüber, dass getroffene Verabredungen nicht eingehalten würden. So soll der Vordeich auf einer Länge von über 900 statt 800 Metern geöffnet werden. Zugesagt worden sei zudem eine „schonende Behandlung“ des Grodens. Von einer Baustraße aus Schottersteinen, einem Betonwerk und einer Recyclinganlage für Steine sei nie die Rede gewesen. Dass das alles in einer zum Nationalpark gehörenden Schutzzone möglich ist, sei nicht nur für ihn unverständlich. Gebaggert werden muss nach Ansicht von Dieter Brockhoff auch noch im Wattenmeer.

Damit bei jeder Tide Wasser aus der Nordsee in das erheblich verbreiterte Siel im Langwarder Groden fließen kann, sollen das und zwei weitere schmalere Zuläufe an den Fedderwarder Priel angebunden werden.

Verbindungen schaffen

Diese Verbindungen müssen aber erst geschaffen werden. Zudem würden später die Zuläufe ohne Unterhaltungsbaggerei verschlicken, ist er sicher. Dem Förderverein-Vorsitzenden ist klar, dass die Maßnahmen nicht mehr gestoppt werden können.

Deshalb sei er ein Befürworter des geplanten Naturerlebnispfades. An dessen Unterhaltung sollten sich aber auch alle Behörden und besonders die Naturschutzverbände beteiligen, die die jetzige Maßnahme zu verantworten haben. Wenn ihnen das Geld fehle, dann sollten sie ihrer Verpflichtung durch Arbeitsleistungen gerecht werden.

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