Ganderkesee - „Ich möchte hier besser Deutsch lernen“, sagt Hashim Alhashemi. Vor dreieinhalb Jahren ist er aus seiner Heimat in Syrien geflüchtet, ließ Familie, Freunde und Beruf zurück. „Ich hatte ein Geschäft. Da hab’ ich Computer repariert und verkauft – sechs Jahre lang“, erinnert sich der 31-Jährige. Um den Beruf des Programmierers in Deutschland wieder ausüben zu können, fehle ihm eine Ausbildung. „Und für die Ausbildung muss man gut Deutsch sprechen, man muss lesen und verstehen“, weiß Alhashemi. Seine Sprachkenntnisse versucht er nun aufzubessern. Dazu arbeitet der gebürtige Syrer seit gut drei Wochen aushilfsweise im Ganderkeseer Weltladen.
„Hier hat er Kontakt zu Einheimischen, kann sich mit anderen unterhalten und kann sich schneller integrieren“, sagt Christa Lingenau. Erfahrungen konnte sie bereits mit Basel Taifour sammeln: Er floh aus Aleppo (Syrien) und arbeitet nun seit sechs Wochen in dem Geschäft an der Wittekindstraße. Als er vor circa zehn Monaten nach Deutschland kam, habe er kaum ein Wort Deutsch gesprochen. Nun aber könne er sogar schon allein einen Ladendienst übernehmen, wenn das nötig sei, berichtet Lingenau: „Sein Deutsch ist viel besser geworden.“
Und auch bei Hashim Alhashemi stellen sich schon die ersten Erfolge ein. „Ich geh’ jetzt schon allein zum Arzt oder zur Gemeindeverwaltung“, freut sich der Flüchtling. Besonders Gerhild Reitemeyer, die ehrenamtlich im Weltladen arbeitet, sei ihm in den vergangenen Wochen eine gute Lehrerin gewesen.
Aber auch der Weltladen profitiert von seinen neuen Helfern: „Wir haben oft nicht genug Leute, um alle Ladenschichten zu besetzen – mit Basel und Hashim ist es jetzt einfacher geworden“, berichtet Lingenau. Außerdem bekomme man viel über die Hintergründe der Situation in Syrien und der Flüchtlingssituation vor Ort mit.
Und auch kulinarisch seien die beiden Syrer eine Bereicherung: Am Weltladentag, der am 9. Mai begangen wird, kredenzen sie den Besuchern ein „faires Frühstück“ mit selbst gekochten, typischen Gerichten aus ihrer Heimat. „Hähnchen mit Kartoffeln“ hat sich Basel für den Tag ausgesucht, Hashim kocht sein Lieblingsessen „Hummus“: „Kichererbsen kommen da rein. Aber man kann auch noch Sesam, Zitronensaft und Zwiebeln nehmen“, erklärt der 31-Jährige.
Die syrischen Rezepte sowie andere Frühstücksspeisen können beim „Tag der offenen Tür“ von 10 bis 13 Uhr probiert werden. Im letzten Jahr stand der Aktionstag unter dem Motto „Macht der Supermarktketten“. „Dieses Jahr wird das Motto erweitert auf die globale Wirtschaft“, erklärt Lingenau. Darüber wolle man gemeinsam diskutieren.
Für Basel und Hashim ist die Arbeit im Weltladen und die Aktion eine gute Sprechübung, „denn dann wird’s hier immer proppevoll“, meint auch Gerhild Reitemeyer.
