Dötlingen - „Mich hat das Interesse an unserer Aktion angenehm überrascht“, so Ralf Oltmann als Fazit nach dem ersten Nachmittag des offenen Stalls in Iserloy. In Zusammenarbeit mit der Uni Vechta nahm der Hof Oltmann aus Dötlingen am Transparenz-Projekt in der Geflügelwirtschaft teil. Ein Vorhaben, das 200 Menschen anlockte, die Oltmann durch seinen Putenstall führte.
Insgesamt drei Stunden lang konnten Interessierte am Sonntag in den Alltag eines modernen Geflügelmastbetriebes Einblick nehmen. Um es vorwegzunehmen: Es gab niemanden, der die Haltungsbedingungen bemängelte. Eher wurde hinterfragt, wie der Umgang mit den Tieren täglich abläuft. Befragte zeigten sich angenehm überrascht von der sauberen Stroheinstreu und den ruhig reagierenden Puten.
Auch viele Kinder kamen mit auf den Hof. Die meisten hatten noch nie die Möglichkeit gehabt, Tiere auf einem heutigen modernen landwirtschaftlichen Betrieb hautnah zu erleben. Entsprechend groß war die Neugier. Die angereisten Besucher kamen aus dem Dreieck Delmenhorst, Oldenburg und Vechta.
Neben allen Fragen und Vortrag stand das persönliche Erleben im Vordergrund. Die sich jetzt gerade in der Pubertät befindenden Tiere zeigten reges Interesse am außergewöhnlichen Besuch. Wenn ein Ring an einer Hand aufblitzte, wagte sich schon einmal ein Puter vor, um nach dem blinkenden Objekt zu picken.
Schnell hatten sich die rund 6000 Tiere im neuen Stall an die Gäste gewöhnt. Viele Puten ließ der Besuch dabei gänzlich kalt. Sie nahmen einen kleinen Sonntagnachmittag-Schlaf.
Wer kam, füllte zu Beginn der Besichtigung einen Fragebogen aus. Nach der Führung, die Hofinhaber Ralf Oltmann persönlich betreute, konnten die Gäste ihre eigenen Eindrücke in dem Fragebogen eintragen. Infomaterial lag daneben für mehr Hintergrundwissen aus. Nur eine Bedingung gab es: Jeder, der in den Stall wollte, musste Schutzanzug tragen und die Hände desinfizieren. Die Ergebnisse fließen in das dreijährige Projekt Wing der Uni Vechta und der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) ein.
Ziel ist es, der öffentlichen Kritik an den Haltungsmethoden mit gutem Beispiel entgegenzutreten. Vor diesem Hintergrund war Ralf Oltmann bereit, Einblick in seine Putenhaltung zu gewähren. Nur so sei ein realistisches Bild der täglichen Arbeit der Landwirte und deren Umgang mit den Tieren zu zeigen, so Oltmann: „Wer seine Tiere nicht gut hält, wird dieses schnell am Erlös merken.“
