Seefeld - Was sich Menschen in einem kleinen Dorf zu erzählen haben, kann wahr oder auch nur Spekulation sein. Je verborgener Dinge geschehen, desto mehr wird die Fantasie der Nachbarn gereizt und die Nerven der Betroffenen strapaziert. In dem neuen Stück „Stille Post“ beschäftigt sich die Theatergruppe der Seefelder Mühle mit genau diesem Thema und gibt Einblicke in das Schubladendenken der Dorfbewohner, dem jeder Mensch schnell verfallen kann.

Regisseurin Heike Scharf hat mit ihren Darstellern wieder ein kritisches aber humorvolles Stück erarbeitet, das bei den Zuschauern für einige Moment der Wiedererkennung sorgte. Im Dorfgemeinschaftshaus fand am Freitagabend die gelungene Premiere vor ausverkauftem Haus mit 90 Zuschauern statt.

In vielen kleinen Szenen schildern die 14 Darsteller den „Zaungästen“, wie es in den Haushalten eines namenlosen Dorfes zugeht, wer die Hosen an hat und welche Gesprächsthemen vorherrschen. In einem Haushalt scheint es jedoch eine quälende Sprachlosigkeit zu geben, der das alte Ehepaar Lissi (Anne Grabhorn) und Addi (Wolfgang Szyslo) zu entfliehen versucht. Einzig die per Post zugestellte Einladung zur Einweihungsparty der neuen Nachbarinnen hellt die Stimmung auf und löst die Zungen.

Auch die anderen im Dorf bekommen diese Einladung und die Empfänger machen sich so ihre Gedanken über das merkwürdige Frauenpaar Biggi (Roswitha Barre) und Ingrid (Meike Peschke), das mit nur einem Bett eingezogen ist. Die Gerüchteküche brodelt und hinter verschlossenen Türen entstehen Geschichten und Vermutungen, die sich immer weiter von der Realität entfernen oder vielleicht auch nicht. Das weiß ja keiner so genau.

Mit zum Dorfklatsch trägt vor allem die Postbotin Toni (Irmgard Rüthemann) bei, die ihrer Freundin Hilde (Heike Barre) stets brühwarm alle entdeckten Details erzählt und es mit dem Postgeheimnis wohl auch nicht so ernst nimmt. Toni weiß auch, dass es im Hause Klose zwischen Heinz-Günther (Dittmar Spreckelmann) und Rita (Anja Thümler) öfter knallt und auch schon mal die Fäuste fliegen. Der herrschsüchtige Heinz-Günther sorgt bei seiner Frau für blaue Augen, die sie mit Sonnenbrille zu kaschieren sucht.


Genau umgekehrt geht es bei Friedo (Gerhardt Knoth) und Waltraud (Anke Kloppenburg) zu. Friedo kann seiner fernsehsüchtigen Frau nichts recht machen und flüchtet sich ins Angeln - auch Frauen gehen ihm dabei an den Haken, wovon Waltraud natürlich nichts ahnt. In weiteren Rollen spielen Klaus Janssen und Cornelia Jürgens als Eheleute Sabine und Peter sowie Anneliese Kling und Karin Rebmann als die beiden Freundinnen Eva und Franziska, die mit den neuen Nachbarinnen befreundet sind.

Während es im ersten Teil noch recht zivil und beschaulich zuging, nahm die Inszenierung im zweiten Teil richtig Fahrt auf. Das Publikum hatte reichlich zu Lachen und amüsierte sich. Ein lang anhaltender Applaus war der verdiente Lohn für die Darsteller, die erneut eine sehenswertes Stück geschaffen haben. In der Pause gab es Grillwürste und Brezeln sowie kalte Getränke.