Das Geschäft „Mode für moderne Frauen ab Größe 42“, gegenüber dem „Alten Rathaus“, ist für viele Frauen ein äußerst beliebter Anlaufpunkt. Die Kundinnen können sich in Sachen Mode auf Heimke Eggert (49) und ihr Team verlassen, sie fühlen sich hier wie zu Hause. Mit vielen Kundinnen ist Heimke Eggert inzwischen beim vertrauten „Du“. Ich kann die Frauen nur zu gut verstehen, denn ihre herzliche und freundliche Art hat auch mich bei unserem Gespräch beeindruckt.
Das „Kaufmännische“ wurde ihr praktisch schon in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Giesela ist gelernte Einzelhandelskauffrau, und Vater Siegfried Reiners ist Gärtner. Er begründete das „Blumenhaus Reiners“ an der Düsternortstraße in Delmenhorst.
Bei unserem Gespräch erzählte mir Heimke die etwas andere Auslegung von selbstständig: „selbst und ständig . . . (arbeiten)!“ Dieses bekamen Heimke und ihre drei Brüder schon früh hautnah mit, denn nach der Schule mussten sie oft im Betrieb mithelfen. „Für uns war es selbstverständlich, obwohl wir natürlich auch nicht immer Lust dazu hatten“, blickt sie zurück.
Obwohl sie aus Delmenhorst kommt, ist Heimke seit ihrer Kindheit ein großer Faschingsfan. Ein Highlight für Heimke war in diesem Jahr die große Faschingsparty mit vielen Freunden und Schulkollegen, die von ihrer Mutter organisiert wurde. „Solange ich laufen kann, habe ich schon immer gern getanzt“, sagt Heimke.
Wie fast alle Mädels interessierte sie sich auch früh für Mode. Beeindruckt war sie als Schülerin von der Verkäuferin im benachbarten Drogeriegeschäft. „Die war immer so modisch angezogen und so toll geschminkt.“ Daher war ihr heimlicher Berufswunsch auch Drogistin, aber ihr Vater hatte andere Pläne für seine Heimke. Da sie bereits mit fünf Jahren eingeschult wurde, war sie 14 Jahre jung, als sie die Schule beendete. Ihr Vater hatte Heimke einen Ausbildungsplatz als Floristin bei „Blumen Kessler“ besorgt. Durch die Arbeit im elterlichen Betrieb fiel ihr die Arbeit leicht, und es machte ihr auch viel Spaß.
Als Heimke 1980 ausgelernt hatte, „nabelte“ sie sich vom Elternhaus ab und arbeitete als Floristin in Worpswede. „Warum Worpswede?“, wollte ich von meiner Gesprächspartnerin wissen: „Die Verbindung kam durch meinen Vater zustande.“
Heimke war schon immer früher dran als andere: früh zur Schule, früh in die Ausbildung und auch früh geheiratet. Als Heimke 1985 mit 21 Jahren den Bund der Ehe einging, kehrte sie nach Delmenhorst zurück und arbeitete wieder im Geschäft ihrer Eltern. 1987 und 1991 wurden die Söhne Eyke und Sören geboren. Als die Ehe im Jahr 1993 scheiterte, waren ihre Kinder ihr ganzer Lebensinhalt und ihr „Fels in der Brandung“. Um für ihre Familie zu sorgen, arbeitete sie halbtags bei ihren Eltern und einige Abende zusätzlich in der Gaststätte „Cramers“. Hier lernte sie 1997 auch ihren jetzigen Ehemann Peter Eggert kennen.
Peter, ansonsten überhaupt kein „Kneipengänger“, war nach einer Weihnachtsfeier auf Bitten seiner Kollegen noch auf einen „Absacker“ mit in dieses Lokal gekommen. Ihm gefiel die freundliche Bedienung, und von nun an war er hier Gast. „Nie einen Mann aus dem ‚Cramers’“ war eigentlich Heimkes Devise. Aber auch sie fand ihn nicht übel. Sie warf ihre Grundsätze schließlich über Bord und heiratete 2000 ihren Peter. Vor gut zwei Jahren hat Familie Eggert in Elmeloh ihr eigenes Haus bezogen, wo sich alle sehr wohl fühlen.
Im privaten Bereich war und ist die 49-Jährige auch noch heute rundum glücklich und zufrieden, aber wie sieht es beruflich aus? „Als ich 39 Jahre war, habe ich den Entschluss gefasst, meine beruflichen Träume anzugehen, und diese gingen in Richtung Mode und Kosmetik“, sagt Heimke Eggert.
Anstatt in Urlaub zu fahren, investierte sie das Geld für Lehrgänge im kaufmännischen Bereich. Im Modefachgeschäft „Ulla Popken“ fand sie schnell eine Stelle als Modefachverkäuferin. Obwohl „nur“ in Teilzeit, waren die Verantwortlichen von ihren Fähigkeiten so überzeugt, dass sie bereits nach vier Wochen zur Filialleiterin bestellt wurde.
Ihr ganz großer Traum war aber schon immer ein eigenes Geschäft. Durch eine Freundin erfuhr sie, dass in Ganderkesee ein Laden frei werden würde. Anfangs zögerte sie noch etwas, doch sie bekam viel Zuspruch von ihrem Mann und ihren Kindern; ihre Familie bot ihr volle Unterstützung an.
„Dann ging bis zur Eröffnung am 25. April 2009 alles ganz schnell, und heute ist dieses Geschäft meine Erfüllung“, verrät Heimke in unserem Gespräch. „Ich habe aus meinem Leben viel gelernt: Man muss sich einfach den verschiedenen Lebenssituationen stellen!“
Heimke Eggert, Betreiberin eines Damenmode-Geschäfts im Ganderkeseer Ortskern
